Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Rabbinerzusammenkunft
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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316 I. Die Rabbiuerzusammenkunft, verdunkelt. Wie, spricht er zu sich, wenn ich jetzt beten muß, eben damit es geschehe, ohne daß ich gerade zu der Stimmung gelangen kann, in der Form beten muß, die mich nun einmal nicht ansprechen kann; wenn ich von dieser und jener Ceremonienübung nicht entbunden werden kann, obgleich ich hierin weder Erguß meines religiösen Gefühls, noch Stärkung desselben finde: nun, dann muß auch die Güte meiner Handlungen gar nicht mit der innern, lebendigwirkenden und ins äußere Leben hinaustretenden Üeberzeugung verbunden sein; im Gegentheile habe ich dieser Üeberzeugung entgegenzukämpfen und mich rein nach äußern gesetzlichen Vorschriften umzusehn. Dieser Gedanke muß nothwendig, wenn auch nicht in der vollen begrifflichen Klarheit , so doch in dunkler Vorstellung aus dieser Gebundenheit entspringen, und dann ist die vollständige Entfaltung des innern sittlichen Kerns im Allgemeinen — denn einzeln« Individuen, welche, in zum Theile achtbarer Inkonsequenz, die Gegensätze in sich zu vereinigen wissen, werden sich immer finden — rein unmöglich. Das ist eine Wahrheit in allen menschlichen Beziehungen, daß wo das Aeußere selbstständig auf den Thron gehoben wird, das Innere, welches es beleben sollte, schwindet und jenes auch dann den wahren Stempel der Echtheit verliert, wenn es selbst an sich Aeußerung der innern Regung sein könnte und sollte. Wie die Anstandsregeln und Modeerscheinungen — um von Kleinlichem ein Beispiel zu wählen—in Steifheit und Eitelkeit ausarten, wenn sie nicht in lebendiger Beziehung mit dem innern Schicklichkeitsgefühle bleiben, und dann in dieser Entfernung sogar in Gegensatz zu demselben treten: so ist es nothwendig auch mit den höchsten menschlichen Angelegenheiten. Wie sehr leider die Erfahrung diese Ansicht bestätigt, wie die wahre sittliche Handlungsweise selbst da, wo sie nicht ganz verlassen wird, im Schatten steht gegen die Formenübung, wie z. B. eine kleine Verletzung der geringsten Sabbathceremonien für sündhafter gilt, äls Verletzung