Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Judenheit und das Judenthum
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 I. Die Iudenheit und das Jndenthnm. bürgerlichen Ansichten, von welchen sie im Allgemeinen durchdrungen sind, mögen diese auch zuweilen, mit Denkmälern der Vergangenheit, welche sie religuienmäßig verehren, mit Aeußerlichkeiten, welche sie mit Beugung ihres vernünftigen Bewußtseyns ausüben, in Widerspruch stehen; wird ihnen dieser Widerspruch nur irgend einmal recht lebendig — und die Zeit und die immer erneute Anregung ermangeln auch bei ihnen nicht dieses Einflusses — so wird die Wahl, welche der beiden Gewalten, die ihr streitendes Inneres in Besitz genommen, abzuweisen sey,, wenn auch nach hartem Kampfe, wenn auch mit zaghafter Entscheidung und in, erst allmählich zur Abrundung sich steigernder Hellheit, dennoch auf die gehörige Weise getroffen werden. Diese Ueberzeugnng, daß auf dem jetzigen Standpunkte der Iudenheit die völlige Einigung derselben in dem staatlichen Leben eine unabweisbare Pflicht der Gerechtigkeit sei, hat unter den Juden — und wohl auch unter einer großen Anzahl unparteiischer Nichtjuden — vorzüglich Raum gewonnen, seitdem von allgemeinen Nechts- und Staatsgrundsätzen aus die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit aller Schärfe des Geistes angesprochen wurde, hingegen die theologischen Einwürfe und Bedenklichkeiten, als ganz und gar diese Frage nicht berührend, und namentlich als aus einer veralteten, abgestorbenen Zeit auf die jugendlichgrüne, lebensfrische Gegenwart fälschlich übertragen, abgewiesen wurden. Diese Ueberzeugung, während sie einerseits die Juden aller Klassen und aller Schattirungen in Hinsicht ihrer Glaubensmeinungen in dem würdigen Streben vereinigte, einen nicht eingeengten Boden für die Entwicklung ihrer Kräfte zu gewinnen, während sie ferner die äußeren und inneren Zustände, die früher nur zu häufig vermischt wurden, mit Recht trennte und die Reform eines jeden dieser Zweige als gesonderte Aufgabe betrachten ließ, hatte jedoch auf der andern Seite den nicht zu verkennenden Nachtheil, selbstgegefällige Zufriedenheit mit dem jetzigen inneren Zustande der