Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 590 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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590 Nachrichten. längst abgeschafft ist — in unfern Synagogen wird sie, sowohl von dem geistlichen Beamten, dem sogenannten Chacham, als von den an der Spitze der Verwaltung stehenden Männern als pars iulsFrsus der öffentlichen Erbauung hartnäckig bcibehalten. Sollten die Häupter der Gemeinde für die Würde des Gottesdienstes nicht größere Sorge, tragen? Sollten sie nicht höher stehen denn der unwissende Haufe, dem der größte Unsinn, so» bald er nur alt und grau ist geworden, heilig und zur Religiosität geworden? Giebt es eine schrecklichere Entweihung des göttlichen Namens als das Heiligthum selbst zu entweihen? Und da müßten doch wahrlich alle Rücksichten in den Hintergrund treten! Doch ich würde gegen die Wahrheit verstoßen, wenn ich bei meiner Behauptung bliebe, daß für den Cnltus gar Nichts geschehen. Wurde doch erst neulich für die sogenannte große Synagoge ein— excellenter Vorsänger cngagirt, der durchseine Stimme, durch seine Triller und Rouladen viele Leute in die Synagoge lockt und — entzückt. Ich höre freilich einen solchen Vorsänger in einer jüd. Synagoge lieber als — Castraten in einer katholischen Kirche; aber lächerlich bleibt es doch, die Synagogen - Reform mit dieser Sphärenmusik beginnen zu wollen.— Die Bessern, wahrhaft Erleuchteten unter der Gemeinde haben gegen die Ausnahme eines solchen Subjects in aller Form protestirt und mit Recht geltend zu machen gesucht, daß bei der Verbesserung des Gottesdienstes ganz andere Dinge Noth thnn, als sich im Gotteshause profane Lieder und Arien Vorsingen zu lassen; diese Einwendungen aber blieben ganz und gar unberücksichtigt, lind Orpheus setzt— Steine und Thiere in Bewegung. Das ist Alles. „Aber , wird denn nicht jeden Sabbath und jeden Festtag ein gottesdienstlicher Vortrag in deutscher Sprache gehalten? Wird nicht gepredigt?" Mit Nichten, mein verehrter Freund! Die Vorträge, die Herr Bernays von Zeit zu Zeit hält, sind weder zur Belehrung, noch zur Erbauung des Volkes eingerichtet und ebenso zwecklos, vielleicht noch zweckloser, als die ehemals üblich gewesenen Disputationen und Controvcrsen über thalmudische Themata. Der Redner wählt irgend eine beliebige Stelle