Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vertrautes Schreiben an einen Rabbi
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2929020-2929026-2929030-2930476--1225-2930523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
418 I. Vertrautes Schreiben Beherzigung sehr werth ist; so war mir dock) etwas unheimlich bei denselben zu Muthe. Liegt es an dem schlechten Style, der mich selbst gegen sehr gute Schriften einnimmt, oder liegt es an dem arroganten Tone, der in dem Büchlein herrscht, als hätte vor dem Verfasser kein Maimonides und kein Mendelssohn das Judenthum riEig aufgefaßt; oder sind es die vielen mystischkabbalistischen Gesetzdeutungen, die uns in dem Büchlein aufgetischt werden — genug, der Eindruck, den diese Briefe auf mich gemacht haben, war rm Ganzen kein angenehmer. Der erste Brief, der Frage an Frage reihet und, wenn auch nur xro lorma, so verfängliche Fragen: Welche Glückseligkeit das Judenthum seinen Bekenner» gewährt? Ob nicht Elend und Sklaverei von jeher (?) ihr Loos gewesen? Ob die Lehre selbst nicht ein Hemmschuh aller (?) Lebensfreuden sei? Welche Erhebung im Felde der Wissenschaften und Kunst das Judenthum erzeugt habe? Ist die Lehre nicht zuerst Schuld (ist sie nicht die erste schuldige Ursache) an allem Elend, das unS betrifft? Versagt (Untersagt) sie nicht Bestrebungen in bildenden Künsten? Gestaltet sie das Leben nicht zu einem fortgesetzten Mönchsthume (?), zum Bet- und Ceremoniendienst? — ich sage Ihnen, dieser erste Brief (S. 2—4) mißfiel mir ganz und gar. Wenn auch der Frager schon nach einer alten Regel: ZNk-N V Unwissenheit erkünsteln «darf, um die Antwort desto piquanter zu machen: so treibt unser Benjamin die Ignoranz doch gar zu weit, zumal, da derselbe (einer Änmerkung S. 6t zufolge) mit Bibel und Thalmud bekannt ist. Wie kann ihm denn nur die Frage über die Lippen kommen: „zu welcher Glück-