Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neues Stadium des Kampfes in dem Judenthume unserer Zeit
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
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210 l. Neues Stadium des Kampfes hervor, und untergeordnet, als Mittel betrachtet wird hier das Streben nach Umänderung, Wegräumung am stößiger, das religiöse Gefühl verletzender, ertödtender Formen, welche Gleichgültigkeit und den Glauben nähren, sich und den heiligen Gesetzgeber durch sinnloses Thun zu befriedigen, — dort der Eifer für die Beibehaltung alles Bestehenden, das bloö Körper, aber dem Geiste ganz angemessener, von ihm selbst sich zur Hülle geschaffener Körper sei, als Werkzeug seiner Aeußerung. Ein gleiches Gebiet ist den Kämpfern eröffnet, sie stehn auf gleichem Boden; eine gleich hohe Idee erfüllt sie, in deren zweckmäßigster Durchführung und Darstellung sie verschieden sind. Dieser Anzeichen mögen wir uns freuen; es war nicht immer so, und um so mehr freuen wir uns. Manchmal mochte wohl zuvor der Angriffsruf „Reform!" nicht eigentlich Umformung, Umgestaltung des Aeußern, neue Beseelung bedeuten, damit das Innere um so klarer werde, um so lebendiger durchdringe, in andern Gestalten um so kräftiger sich äußere; er hieß auch wohl blos Abwerfen des Unbequemen, Anschmiegen an gewöhnliche Lebensbedürfnisse, Lebensreize. Daher richtete sich dann der Blick nur auf das Schwere, das dem tagtäglichen Leben etwas Entgegenstehende, als sei nicht ein Wandel nach höhern Anforderungen des Menschen, nach reiner in Religion beruhender Sittlichkeit, wie das Judenthum sie fordert, die schwerste Aufgabe. Daher war blos die Rede von dem recht äußerlich öffentlich Hervortretenden; was im Innern des Hauses vorgieng, konnte ja Jeder nach Neigung, Belieben, Gewohnheit, nach Maßgabe der damit verbundenen Mühe einrichten, wie er wollte. Der Ruf "Reform" lautet nun