Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Baiern
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
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142 N a ch r i ch t e n. sind. Man schlägt leicht, meine ich,, den Nutzen solcher vctt einzelten Maßregeln viel zu hoch an, und verliert dabei den eigentlichen Gesichtspunkt aus den Augen. Es möchte nämlich jener Nutzen so lange problematisch und verknüpft bleiben mit Gekahr für den religiösen Sinn, der, an sich zarter Natur, leicbt verwirrt und verschoben wird, als nicht jene grelle Vorliebe des größten Theils unserer Glaubensgenossen für alles Formelle und Herkömmliche in der Religion überwunden und beseitigt ist. Es wird aber diese Vorliebe, die ich übrigens nichts weniger als verdamme, da sie bisher ein Hauptstützpunkt unserer Religion war, sondern nur rectificirt und auf ihre natürliche Gränze eingeschränkt wissen will, sie wird nur dann biegsamem Charakters, wenn das innere religiöse Leben mehr Gehalt bekömmt, wenn der Glaube mehr intensive Kraft erhält, so daß er weniger von äußern Ceremonien bedingt erscheint, wenn dem Israeliten verständlich gemacht wird, was die dogmatischen, unterscheidenden Merkmale seiner Religion sind, und so der Reflexion und dem Geiste mehr Antheil an der Religion gegönnt wird, anstatt daß sie bis jetzt nur in äußerer und darum sich nie genügender Thätigkeit Nahrung gefunden. Die Zeit und ihre Verhängnisse haben uns aus der geistigen Höhe unseres religiösen Seins herabgestürzt, uns die ideelle Seite desselben entfremdet und nur den beschwerlichen Erdenkloß gelassen, unter dessen Last wir keuchend wimmern, und doch auch den kleinsten Theil nicht abzuschütteln wagen, fürchtend, wir möchten das Gleichgewicht verlieren. Was ist also zu thun, um dieser Furcht Herr zu werden? Nichts Anderes, als wiederum die Pforten zu dem Allerheiligsten in dem religiösen Tempel öffnen, daß wir hinein können, und unter den breiten, schattigen Flügeln der dort aufgestellten Cherubim, des Glaubens und der Liebe uns bergen. Dann werden wir nicht mehr ausschließlich in den Vorhallen weilen, werden uns weniger darum bekümmern, wenn in diesen einige Veränderungen vorgenommen werden. — Obige Bemerkungen mögen es rechtfertigen, daß ich Baierns Israeliten in ihrer religiösen Cultur als zum Bessern fort-