Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Gründung einer jüdisch-theologischen Facultät, ein dringendes Bedürfniß unserer Zeit
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
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19 ein dringendes Bedürfnis unserer Zeit. abzuhelfen bestrebt sind. Was unsre Väter, von ihrem Stand-! punkte aus, gethan, das müssen wir nach den Ansprüchen unsrer Zeit benützen, umbilden und mit eignen Mitteln erweitern. — Auch die Vorzeit nämlich, m welcher die sogenannte Wissenschaft der jüdischen Theologie so enge mit dem! Leben verknüpft war, wo ein jedes einzelne Erlernte sogleich auch die religiöse Uebung bedingte, hatte es wohl gefühlt, daß dennoch eine unabhängige Behandlung derselben nöthig sei. Daher entstanden die Jeschiboth, an welchen geübte Lehrer, nicht blos die praktischen Rabbiner, sondern gelehrte Rabbinen, die Schüler einführen sollten in die weiten Gänge der talmudischen Räume. Die Mittel hiezu reichte der Wohlthätigkeitssinn in seinen unerschöpflichen Aeußerungen. Vermächtnisse für die Lehrer, bestimmte Beiträge für sie, gelegentliche, reichliche i Spenden, willige Aufnahme und Belohnung der erscheinenden Schriften, Verschenkungen von Bücherfchätzen an geeignete Schulen, Unterstützung der Schüler mit allem Bedarfe — Alles wirkte zusammen, um an kleinen wie großen Orten das Studium zu erleichtern. Freilich hatte hier nicht der wissenschaftliche Sinn allein, sondern meist : ver religiöse mit seiner Allgewalt diese Anstalten erzeugt. War ja das verdienstlichste Werk, selbst zu lernen und zu lehren, und folgte diesem ja sogleich in der Stufe gottseliger Handlungen, die Lehre nach Kräften zu unterstützen. — Nun ist freilich dieser religiöse Sinn, wenigstens nach dieser Seite hin, geschwunden; die Jeschiboth gehen allmälig zu Grabe, die Lehrer entz Kehren der Unterstützung, die Schriften bleiben versiegelt und zerstreut, und die Schüler erlangen kein Obdach. Dennoch sind noch gar viele derartige Legate vorhanden,