Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus dem bairischen Oberdonaukreise [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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43S Na ch r i ch t e n. haben, wird gwße Aufmerksamkeit verwandt. Freilich die alten Rabbiner müssen in ihren Stetten belassen werden, und daß sie oft gar nachtheilig sind, zuweilen mit gutem Witten den Erfordernissen wie den Einsichten der Zeit nicht Nachkommen können, ist eine traurige Erscheinung, die im Gange der Geschichte liegt. Vielleicht beklagt man sich auch über uns einst so, wenn wir alt sind. Aber solange wir mit jugendlicher Kraft ausgerüstet sind, und die gerechte Anforderung an uns ergehen kann, daß wir aus der Höhe der Zeit stehen, solange sollte sich auch eine gegründete Klage über uns nicht vernehmen lassen können. Und dennoch muß in unserm Kreise manche ertönen. Jemehr gerade von der Persönlichkeit der jungen Rabbiner, von ihren Kenntnissen und Gesinnungen, von ihrer Redlichkeit und Kraft abhängt, jemehr ihnen beständig Rechte von der Regierung eiugeräumt werden, desto mehr müssen sie sich es auch gefallen lassen, unter der Censur der öffentlichen Meinung zu stehen und solche an sie öffentlich gerichtete Wünsche nicht als Folgen gehässiger Verläumdung, sondern als Ermunterung und Krastanregung betrachten. Zn unserm Kreise giebt es acht Rabbiner, alle der neuern Zeit angehörig, und alle nach voraus gegangener Prüfung erst angestettt. Wurden auch an Manche zur Zeit ihrer Anstellung, wie es scheint, noch nicht so hohe Anforderungen gestellt: so sind doch auch wieder Andere, die mit den nöthigeu Kenntnissen vollkommen ausgerüstet sind, denen wir auch den guten Witten, auf eine wohlthätige Weise zu wirken, vollkommen zntrauen, die aber wohl zum Theile an einer Aengstlichkeit leiden, die sie von einer jeden ernsten Anstrengung zum Fortschritte und zur Begründung wahrer Religion abhält, und sie sogar in manche unbegreifliche Verkehrtheit hineinführt. Zch will hier keinen Einzelnen nennen, auch nichts Einzelnes berichten, glaube aber Loch wenigstens auf folgende merkwürdige Thatsachen aufmerksam machen zu müssen. Die hiesigen Rabbiner predigen meist nur zwei Male des Zahres, am Sabbathe vor dem Pcsachfeste und vor dem Versöhnungstage, und an diesen Tagen sind es nicht etwa Predigten zur Erbauung uud Erhebung, sondern nach jener alten, unerquicklichen Weise, die fern von aller religiösen Lebendigkeit in Spitzfindigkeiten sich