Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Frankfurt [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2929020-2929021-2929024--0368-2929494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
276 Nachrichten aus der Synagoge. sten Eindruck, wenn ein Mann in diesen Jahren (Herr Trier , ist jetzt nahe dem 80. Jahre), der solchen Verrichtungen früher ganz fremd war, die Erfordernisse der Zeit zu würdigen weiß und keine Mühe scheut, sie zu befriedigen. Er würde gewiß noch zu Manchem seine Zustimmung geben, wenn Andre die Initiative ergriffen. — Ein merkwürdiges Aktenstück ist mir dieser Tage zu Gesichte gekommen. Herr Rabbiner Sopher in Preßburg hatte früher dem Herrn Nr. Pinner für seine beabsichtigte Uebersetzung des Talmuds seine Zustimmung (slODOTl) gegeben. Sie wissen, welche verschiedenen Urtheile dieses Unternehmen schon veranlaßt hat; denn abgesehn von der Frage über die Fähigkeit des Unternehmers, diese höchst schwierige Aufgabe zu lösen, handelte es sich über die Zweckmäßigkeit und Zeitgemäßheit der Sache. Man ging dabei von drei verschiedenen Gesichtspunkten aus. Die Einen, die mit Leib und Seele den Talmud anhangen, befürchteten, daß durch ein Veröffentlichen desselben in der Muttersprache seine Blößen ans Tageslicht kommen möchten, und waren deßhalb dagegen. Andere wieder waren zwar nicht so eifrige Paladine des Talmuds, fürchteten aber, daß es dem Bestreben der Juden nach Emancipation hinderlich werden könne, wenn neue Lächerlichkeiten, die entweder bloß dem nackten Ausdrucke nach e§ seien, oder von denen sie sich längst losgesagt hätten, dem Auge der Christen bloßgestellt würden. Bei wieder Andern übcrwog'das religiöse Interesse diese Bedenklichkeit; sie wünschten doch auch, den Talmud, über den sie schon so verschiedene Urtheile gehört, kennen zu lernen, um dann desto besser selbständig eine Entscheidung fällen zn können. Die Mittleren waren hier die zahlreichsten. — Alle diese Gesichtspunkte jedoch waren Herrn Sopher fremd; er dachte bloß daran, daß jetzt, da das Talmudstudium abnimmt, demselben durch die Darbietung von Erleichterungen wieder anfgeholfen werden könne. Aber doch bald wurde ihm die Gefährlichkeit der Sache, die er durch sein Anselm unterstützte, von Gleichgesinnten mitgekheilt, und wie gerade seinem Zwecke entgegen der Erfolg sein möchte. Darauf erließ er nun ein Schreiben, das in