Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Geschichte [Rezension]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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171 Jüdische Geschichte. fen worden, hat in diesem siechen Zustande mit dem mühevollsten Ringen sein Dasein bewahret, und noch immerfort ringet und strebet es, und welcher Seher kann das Ende dieses beharrlichen Strebens verkünden? Aber eben hierin zeigt sich seine wunderbare Kraft. Griechenland Römerthum ist untergegangen, als die Staatsverhältnisse sich änderten; das Judenthum blieb trotz dem, daß ihm die Sehnen des Staates zerschnitten sind; das Christenthum und Araberthum ist erstarkt durch den Schutz, den die weltliche Macht ihm bietet; das Judenthum ermangelt aller äußern Stütze, ja es ist befehdet und bekämpft fast von seinem Werden bis auf den heutigen Tag, und dennoch ist es nicht erschüttert; es hat tiefe Wurzeln geschlagen, und sie auszureißen vermochte keine Macht. Es ist nicht zu leugnen; die Juden und das Judenthum sind ein wahres Räthsel in der Weltgeschichte. Niemals durch äußere Größe hervorstrahlend, übten sie einen Einfluß in ihr, der sich endlich die ganze gebildete Welt unterwarf. Von der frühesten Zeit her, wo die ganze übrige Geschichte in ein mythisches Dunkel sich hüllt, können sie ihr Dasein Nachweisen. Man möchte gerne auch ihre Urkunden in das Sagenreich versetzen, aber die deutlichsten Spuren weisen auf ihre Wahrscheinlichkeit hin; die so ganz ins Einzelne gehenden Erzählungen, die nicht einmal den Schleier der Dichtung tragen, sondern in ihrer Nüchternheit reine Geschichte vortragen wollen, lassen sich nicht in die Reihe der Mythen unterbringen und verschmähen jede scharfsinnige Deutung. Ihre Propheten und Dichter, die von der reinsten Gottesfurcht, von den erhabensten Gesinnungen durchdrungen sind; man möchte sie gerne den Zukunftschauern anderer Völker gleichste!-