Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 506 (sequence 23)
- Language
- German
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506 MENORAH Einrichtungen veranlaßt«, besteht für die jüdische Gemeinschaft heute in gleichem Umfang. Die jetzt geltenden gesetzlichen Bestimmungen über die religiöse Erziehung der Fürsorgezöglinge stimmen fast wörtlich mit denen von 1900 überein; demgemäß sind auch jetzt noch konfessionelle Verbände im allgemeinen Träger der Fürsorge-Erziehungsanstalten. Nur wenige Anstalten sind von Kommunalverbänden eingerichtet und in simultanem Geist geführt. Aus der Erfahrung ergeben sich aber eine Reihe gewichtiger Gründe, die das Bestehen einer speziellen jüdischen Fürsorgeerziehung rechtfertigen. Das Milieu, aus dem der jüdische Jugendliche stammt, der der Fürsorgeerziehung überwiesen wird, ist in der Regel entsprechend der soziologischen Gliederung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ein anderes als das rein proletarische des nichtjüdischen Fiirsorgezöglings. Die Ursachen, die bei beiden Gruppen zur Verwahrlosung führten, sind dementsprechend gänzlich verschieden. Es wäre eine lohnende Arbeit, im einzelnen den Nachweis zu führen, aus welchem Milieu die jüdischen Jugendlichen stammen, die bisher in Fürsorgeerziehung" waren, den Gründen nachzuspüren, die zur Einweisung in Fürsorgeerziehung führten, und endlich soweit möglich den weiteren Lebenslauf dieser Menschen zu verfolgen, um etwas über Erfolg bezw. Mißerfolg dieser Erziehung sagen zu können. Aus einer solchen Untersuchung würde sich außerdem, insbesondre, wenn man sie zu Erfahrungen der allgemeinen Fürsorge in Beziehung setzt, manches zur praktischen Gestaltung der jüdischen Gefährdetenfürsorge folgern lassen. Gewiß, die jüdische Wohlfahrtsarbeit ist in starkem Maße abhängig in ihrer Ausführung von der allgemeinen Wohlfahrtsarbeit, eng verbunden mit ihr durch die diese tragenden Ideen und mithin auch in vollem Umfang der Kritik, die diese trifft, ausgesetzt. Sie unterliegt aber in ihrem Werden und Wirken außerdem stark wirksamen Eigengesetze n. All dies ist auch spürbar in diesem kleinen Ausschnitt aus dem großen Gebiet der Wohlfahrtsarbeit, der hier in seiner geschichtlichen Entwicklung darzustellen versucht wurde.