Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. 484

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
484 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912916-2912923-2928842--11865-2928956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ZUR GESCHICHTE DER JÜDISCHEN FÜRSORGEERZIEHUNG IN DEUTSCHLAND ie Öffentlichkeit hat in den letzten Jahren in immer steigendem |_ß Maße Interesse an den Fragen der Fürsorgeerziehung genommen. Seitdem Peter Martin Lampel 1928 sein Buch „Jungen in Not", das schwere Anklagen gegen die Fürsorgeerziehung erhol), veröffentlichte, seitdem sein Stück „Revolte im Erziehungshaus44 mit großem Erfolg über viele deutsche Bühnen ging, ist weit über die Fachkreise hinaus die Diskussion über die Probleme der Fürsorgeerziehung nicht zum Stillstand gekommen. Genährt wurde dies Interesse noch durch viele Skandale, die sich in deutschen Erziehungsanstalten ereigneten. Die sich hieran anschließenden Prozesse, die vor deutschen Gerichten wegen der Vorgänge in den Anstalten Ricklingen und Scheuen beispielsweise geführt wurden, sind noch in lebhafter Erinnerung, hier wurden sozusagen „gerichtsnotorisch" viele gegen die Fürsorgeerziehung erhobenen Anklagen bestätigt. Unabhängig hiervon, teils früher, teils gleichzeitig erhoben sich auch im Ausland gewichtige Stimmen gegen die allgemein übliche Form der Fürsorgeerziehung1). 1924 bereits erschien in der Schweiz ein Buch von C. A. Loosli „Anstaltsleben. Betrachtungen und Gedanken eines ehemaligen Anstaltszöglings". Hier wird flammende Anklage erhoben gegen den Anstaltsdrill, die „Dampfstraßenwalze", die die freie Entfaltung erdrückt. Louis Rouband, ein französischer Journalist, der ähnlich wie G. Z. Klötzel in Deutschland, eine Reihe von französischen Erziehungsanstalten besuchte, faßte seine Eindrücke in seinem Buche „Les enfants de Gain" zusammen. In dem Schlußkapitel, das die bezeichnende Überschrift trägt: „L'ecole du bagne" (die Vorschule des Zuchthauses) weist er darauf hin, daß aus den Zöglingen der Erziehungsanstalten sehr oft Apachen und Straßenmädchen werden. Ähnliches sagte 1928 aus seinen Erfahrungen der Rat am Kassationsgerichtshof in Paris, Pierre de Gasabianca, auf dem Internationalen Kinderschutzkongreß in Paris. Aus Amerika hören wir gleiche Stimmen. Prof. M Hermann Francke, Zur Problematik der Fürsoreeerziehuna:. Soziale Praxis, Ja-hi^ans; 10 Heft 21. ' Von Julius Stern I.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.