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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 476

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Wanderungen und Schicksale sephardischer Juden in Deutschland
Date
1932-11-01
Page
Seite 476 (sequence 13)
Language
German
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476 MENORAH Portugiesen waren kluge Kaufleute; sie ahnten wohl, daß man etwas Großes mit ihnen vorhatte. So gaben sie sich mit den ihnen vom König zuerst eingeräumten Freiheiten nicht zufrieden. Sie befürchteten, wie öfters, die Konkurrenz der hochdeutschen Juden und wirklich erreichten sie beim König, daß sämtliche deutschen Juden, mit Ausnahme der in Wandsbek niedergelassenen, aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein ausgeschlossen wurden. Der wichtigste Teil dieses Privilegiums lautete: „Wir concedieren ihnen auch gnädigst in unsrem Glückstadt auch andre Hebreer, so aus Levante, Italien, Afrika oder sonst woher kommen zu sich zu nehmen, die ihrer Privilegien ebenmässig zu gemessen haben, aber keine teutschen Juden sollen darunter verstanden wrerden, welche diese unsre Privilegia aus unsere Fürstentumben, ausbenommen, die so mit unsrer Bewilligung sich zu Wandsbek niederlassen, gäntzlich excludieren." Dieser Ausschluß hatte keine große praktische Bedeutung, denn im Jahre 1630 wohnte außer in Wandsbek in den dänischen Teilen der Herzogtümer Schleswig-Holstein überhaupt keine Juden. Altona kam erst 1641 in dänischen Besitz. Aber er ist doch bezeichnend für den scharfen Gegensatz, der damals zwischen portugiesischen und hochdeutschen Juden bestand, und hinderte jedenfalls die jüdische Einwanderung in den übrigen Teilen Holsteins. Eine Ausnahme mußte mit Altona gemacht werden, das 1641 an Dänemark fiel. Hier halte sich die Zahl der hochdeutschen Juden derart vermehrt, daß an ihren Ausschluß nicht zu denken war. So bestätigte der dänische König Christian IV. 1641 die kärglich bemessenen Privilegien der Altonaer hochdeutschen Juden, die ihnen die Pinnebergischen Grafen eingeräumt hatten. Anderseits wurde den hochdeutschen Juden 1649 die Niederlassung in Friedrichstadt verwehrt mit der Begründung, daß sie Deutsche wären. Erst 1677 durfte sich dort eine jüdische Gemeinde bilden. Im Jahre 1692 erhielt der Jude Samuel Samson aus Hagen in Westfalen das Privileg zur Niederlassung in Rendsburg. Die Portugiesen, die sich in ihrer Vormachtstellung bedroht sahen, versuchten im Jahre 1705 bei der dänischen Regierung durchzusetzen, daß ihnen, wenn sie auch in Altona oder Hamburg wohnen blieben, die Privilegien der portugiesischen Juden in Gliickstadt erteilt werden möchten. Damit wollten sie ohne Zweifel den Ausschluß der hochdeutschen Juden aus den Herzoglümern Schleswig und Holstein erreichen. Aber dieser Plan mißlang. Quellen: Dr. Max Grunwald: Portugiesengräber auf deutscher Erde.

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