Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Aus der Kunstwelt
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 463 (sequence 13)
- Language
- German
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AUS DER KUNSTWELT 463 Umzug der Männer mit den Gesetzesrollen in den Armen erfüllt. Lebendig der Trieb des Ornamentes in seinen beiden Erscheinungen, der vegetativen und der symbolischen. Lebendig der Sinn der Sprüche, die in den Zeichen der hebräischen, hier lebendigen Schrift von den Wänden und der Decke sprechen. Doch auch das lenkt erst auf die letzte und wohl auch triftige Spur. Denn auch das findet sich ja — man denke nur an die vom Leben und Geist jüdischer Geschlechter - ketten erfüllten Synagogen des Mittelalters — anderwärts, ohne daß darum mit dem Inhalt auch das Gefäß, die Form, ganz eigentümlich, rein jüdisch geworden wäre. Eben dies aber ist bei den Holzsynagogen in Polen der Fall. Sie sind — soweit das bei einem Wandervolk auf fremdem Kulturboden nur irgendwie möglich ist — autochthone Bildungen des Judentums. Die jüdische Energie, die hier am Werke ist, ist so elementar, daß sie auch das Entlehnte überwältigt und einordnet in den barock vorstürmenden Zug des Ganzen. Sie durchdringt alle Teile und bringt sie auf den gemeinsamen jüdischen Nenner. Und sie vermag das, weil sie im Grunde volkstümlich ist — wurzelnd im Eigenen, wurzelhaft verschwistert auch den helfenden Kräften der Umgebung. Jetzt erst und hier ist nach Jahrhunderten der Anlehnung die Synagoge Erscheinung und Ausdruck des jüdischen Volkswesens geworden, gleichermaßen erfüllt von seinen beständigen und seinen entwickelten Eigenschaften — mit nichts anderem vergleichbar in ihrem prächtigen Ungestüm, ihrer geschlossenen FülLe und ihrer historischen Bedeutung als jüdisches Gesamtkunstwerk, an dem alle Künste im seLben Geiste teilhaben. JVLax IZisler Das Buch „Polnische Holzsijnagogen" von Alois Breuer, Max Eisler und Max Granwald, von dem wir einen in sich geschlossenen Teil im Vorabdruck schon gebracht haben, erscheint — mit 48 Bildtafeln — anfangs 1933 im Verlage der „Menoruh", Wien, /., Zelinkagasse 13.