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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 461

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Aus der Kunstwelt
Date
1932-11-01
Page
Seite 461 (sequence 11)
Language
German
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AUS DER KUNSTWELT 4G1 feierliche Größe, reiner die Schönheit hervor. Und nach wie vor sind diese Bilder leidenschaftlich bewegt. Aber sie sind — im Sinne der neuen Formbildung — nicht mehr bewegend. Ein Meister hält hier seine Ernte. Die beglückendsten von den Früchten, die er jetzt einsammelt, sind die „Panoramen". Kokoschka hat diesen Begriff in seiner neuen Form nicht als erster in die Malerei eingeführt. Zwar das Panorama älterer Gattung war eine langhin aufgereihte Aussicht auf Städte und Landschaften, also eine farbige, von der Luft temperierte Silhouette, gesehen aus der normalen Perspektive der am Boden haftenden Menschen. Aber schon einige altdeutsche Maler und vor allem der große Pieter Brueghel haben von ihren hoch angenommenen Standpunkten schräg hinunter auf ihr Blickfeld gesehen. Der Horizont stieg an, die Erde bot breit ihre Brust, die Fülle ihrer Bildungen dar, welche die Zeichnung und die Farbe eingehend schildern konnte. An Stelle der Aussicht war die lebendige Übersicht getreten, nicht nur reicher im Gegenstand ihrer Darstellung, sondern auch ein prächtiges Feld für die malerische Behandlung. Mit Cezanne und Van Gogh setzt dann die neue Epoche des Panoramas ein. Nun nimmt Kokoschka die Sache auf und bringt sie rein an sich. Es entsteht eine Reihe von Bildern — London, Paris, Anecy, Lyon, Wien vom Leopoldsberg, Konstantinopel und andere —, die zum Teil in einer Ausstellung der Neuen Galerie in Wien zu sehen war. Darunter auch der Blick auf Jerusalem. Man müßte ihn, um ihm ganz gerecht zu werden, innerhalb der Bildergruppe betrachten, der er nach seiner Art und Entstehung angehört. Aber das würde hier zu weit führen. Uns muß die Feststellung genügen, daß das Panorama von Jerusalem gegen die anderen Panoramen zurücksteht, es ist weniger kühn und eindringlich, der Künstler erscheint hier weniger mitgenommen. Trotzdem ist es schon für sich ein außerordentliches Bild. Und ist ohne Zweifel die bedeutendste Darstellung, die die heilige Stadt bis heute gefunden hat. Wie bei den anderen Stücken ist auch hier die Stadt nicht als ein topographisches Objekt, also nicht beschreibend, sondern als ein großer malerischer Eindruck und demgemäß auch als Landschaft aufgefaßt. Die Draufsicht baut den Ausschnitt mit drei Stufen auf: dem breitfarbigen Vordergrund mit den Kühen und den Zelten folgt beruhigter die grün ansteigende Mitte, endlich der Häuserwust der Stadt auf dem Hügel. Aber das Ganze wird dicht zusammengehallen, erscheint auch nach der Tiefe und Höhe wie gesperrt. Dem Künstler, der auch in den

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