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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. 451

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Aus der Kunstwelt
Date
1932-11-01
Page
451 (sequence 1)
Language
German
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AUS DER KUNSTWELT Der Schreiler Siegmund Forst Grundsätzlich kann man sich für die Entwicklung der hebräischen Schrift kaum, einen Zeitraum denken, der ihr günstiger entgegenkäme als der heutige. Die Bestrebungen, gerichtet auf die Neubelebung der hebräischen Sprache, sind in aller Welt seit langem schon im vollen Gange. Sie dauern nun beinahe dreißig Jahre. Und fast genau so lange dauert auch die neue, durch Rudolf Larisch angefachte und geführte Schriftbewegung. Überdies ist ja bei uns die alte Kunst durch die Thoraschreiber immer aufrecht geblieben. Man durfte demnach erwarten, daß ihre Pflege gerade jetzt aufblühen, das Gesetz des Schreibens sorgfältig durchforscht und geübt, die reiche Uberlieferung wieder erworben und das Feld der Schrift nach vielen Seiten erweitert werden würde. Nichts davon. Und am wenigsten in Wien, der Heimat jener Schule Larisch, in Wien, diesem Schnittpunkt west-östlich jüdischer Kulturen, der für ihre gegenseitig befruchtende Einwirkung doch wie geschaffen ist. Auch heute werden die Zeichen unserer Schrift bei nicht wenigen Gelegenheiten verwendet. Man denke nur an das gedruckte Buch, an die Stickereien in den Synagogen und an die Inschriften auf den Grabsteinen. Aber wie sieht es damit aus! Schon die gangbaren Bücher zeigen eine beispiellose Nachlässigkeit, die nicht weit entfernt ist von Geringschätzung. Man komme nicht mit dem Hinweis auf irgendein sauber gedrucktes Ausnahmswerk, bestimmt für Bibliophilen oder den Gebrauch der Fachwissenschaft, also für ein knappes Dutzend Leser. Was wir im Auge haben und was den Ausschlag gibt, ist das Buch, das in ungezählten Händen ist, sind die Bücher der Bibel und der Gebete, und unter ihnen vor allem die Bücher in den Händen unserer Kinder. Was bekommen sie da zu sehen! Und welche Empfindungen müssen sie bewegen, wenn sie soeben erst ein schön gedrucktes deutsches Buch in der Hand gehabt haben! Gibt es in unserer Gemeinde keine Kommission, die darauf achtet, und gibt es keine Lehrer, die sich darüber Gedanken machen? Ich weiß nicht, ob ihr langjähriger Inspektor noch im Amte sitzt. Aber ich weiß aus eigener, bitterer Erfahrung, daß er seit seinen jungen Jahren ein forscher Reformator ist. Nun, es wäre wahrhaftig erfreulicher gewesen, wenn er die anderen Reformen, die den religiösen Unterricht in unseren Schulen so herrlich weit gebracht haben, gelassen und statt dessen nur die Reform der Schrift in den Büchern unserer Jugend betrieben

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