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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 436

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Luigi Luzzatti erzählt sein Leben
Date
1932-09-01
Page
Seite 436 (sequence 3)
Language
German
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436 MENORAH können Sic diesen jungen Mann mit einer solchen Erage erschrecken? Wenn Sie mir es erlauben, werde ich Ihnen mil einer Anekdote antworten, die man sich von dem großen (ioethe erzählt. Eines Tages fragte ihn sein Lieblingsschiiler nach seinen religiösen Anschauungen. Darauf antwortete ihm Goethe: .Wenn ich an die Kunst denke, brauche ich die (iöller Griechenlands und Roms, wenn ich mir das Weltall vorstelle, bin ich Pnntheisl. und dein moralischen Problem gegenüber bin ich Deist!' Kino ähnliche Antwort muß ich Ihnen. Herr Präsident, auf Ihre Frage geben. Denke ich als Kaufmann und muß ich die Exportmöglichkeiten meines Landes betrachten, so bin ich Freihändler: muß ich die junge Industrie Italiens schützen, werde ich Protektionist; ja ich werde mich sogar zum Prohibitionismus bekennen, wenn irgendein anderer Strial darauf ausgeht, durch künstliches Drücken der Preise italienische Industriezweige zugrunde zu richten. Wenn ich die Interessen meines Landes vertrete, hin ich bereit, mich jeder Doktrin zu bedienen." Thiers legte mir mit einem Lächeln die Hand auf die Schulter und sagte: ..Junger Mann, durch diesen Mangel an einer ökonomischen Einstellung werden Sie es einmal sehr weit bringen." Der erste Band der Memoiren Luigi Luzzattis reicht nur bis zum Jahre 1875. Erst die spätere Zeit sollte beweisen, wie recht Thiers mit seiner Voraussage hatte. Als Abschluß mögen einige Worte stehen, die Luzzalti im italienischen Parlament im Jahre 187.'» sprach und die als eine Art Glaubensbekenntnis ausgelegt werden können. ..Kin Staat ist ein großes Gedicht, in dem alle Klänge und Akkorde verschmelzen. Keine Theorie, nicht die der Konzen!rierung und die der Dezentrierung. nicht die des freien Übereinkommens und die der absoluten Staatsgewalt, können ihn erklären, l'm den Staat zu hegreifen, braucht man sie alle zusammen, und alle zusammen hinterlassen noch immer einen Best, der unbegreiflich ist, jenes Geheimnis, das das Leben einer großen Nation begründet." Walter Freund UMSCHAU für die Zeil vom 21. Juli bis 20. September KKS2. ALS ALLER WELT Im KS. Lebensjahre verstarb der ehemalige High Commissioncr von Palästina, Yiscount Herbert Plumer, Durch objektive Verwallungstätigkeil halle er für Buhe und Ordnung im Lande gesorgt und sich das Vertrauen der gesamten Bevölkerung erworben. - Minist erialrat Hans Goslar, der durch l.'J Jahre die Pressestelle des Preußischen Stnalsminislcriums leitete, ist .zur Disposition gestellt. Zu Ehren der im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten aus Osteuropa, die den Krieg in der französischen Armee milgemacht haben, wurde in Paris eine Gedenktafel in feierlicher Weise enthüllt. -— In "Wien starb Altbundeskanzler Dr. Ignaz Scipel. Ein Gegner des militanten Antisemitismus, hat er der Judenfrage ein außergewöhnliches Verständnis enlgegcnge bracht. — Dr. Johann Schober, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler und Polizeipräsident, ist gestorben; Gerechtigkeitssinn und Verständnis für die Wünsche und Forderungen der jüdischen Bevölkerung zeichneten seine Persönlichkeit aus. --- In Smolensk tagte der erste Kongreß der nationalen Minderheiten Sowjelnißlands. — Die jüdische Wellkonl'erenz hat auf ihrer Tagung in Genf beschlossen, den Jüdischen Weltkongreß innerhalb zwei Jahren einzuberufen. --- In Tunis kam es zu ernsten judenfeiiullichen Ausschreitungen: Polizei und Zivilbehörden Indien energische Maßnahmen zur raschen Unterdrückung der Bewegung ergriffen. - Im Alter von 80 Jahren starb in Warschau Dr. Samuel Goldllam, Neurologe von Weltruf, auf dem Gebiete des Gesundheitswesens Führend tätig. -— In Wien lagte die V. Weltkonfereuz der Zionislen-Ucvisionisten. an welcher 200 Delegier!e teilnahmen. EßEZ JISKAEL In Palästina leben narh einer vom State Department in Wushinglon veröil'entlichlen Mitteilung XIW'A amerikanische Staatsbürger: davon sind der größte Teil Juden. -— Die ara-

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