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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Luigi Luzzatti erzählt sein Leben
Date
1932-09-01
Page
Seite 434 (sequence 1)
Language
German
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434 MENORAH LUIGI LUZZATTI ERZÄHLT SEIN LEBEN Aus dem kürzlich Ihm Nicoiii Zanichelli, Bologna, erschienenen 1. Band der ...Mcmorie" des berühmten italienischen Finanzniinislers vcröllenIiichen wir mit Frlaubnis des Verlages einige interessante Stellen. Die folgende Frinnerung bewahrt der sieben jährige Luigi Luzzalli an die Revolution vom .lahre 1<S4S\ deren Auswirkungen er in dem damals österreichischen Venedig erlebt. Ich war damals sieben .lahre all und besuchte eine jüdische Privalschulc, die in der Nähe unseres Hauses gelegen war, als die ersten Nachrichten von der Hevolulion in Venedig eintrafen. Ich halle den Haß gegen alles Österreichische gleichsam mit der Muttermilch eingesogen, denn meine Familie verabscheute die fremde Herrschafl. und die Freignisse wurden von allen mit Daukgebelen begrübt. Als eine Nalionalgarde gegründet wurde, wurde mein Onkel Giuseppe, ein starker Mann, der ein ausge/.eich neler Fechter war und auch sehr gut mit einem Gewehr umgehen konnte, in ihr Offizier. Mein allerer Bruder David Irat in die sogenannte ..Garde der IlolTnung" ein. in der Knaben von neun Jahren aufwärts aufgenommen wurden. Da ich zu jung war. lernte ich wenigstens schieben und fechte]]. Inzwischen machte ich alle Schrecken der Beschicl.Umg Venedigs mit. Haid sah ich den Tod in dreifacher (leslall durch unsere Stadt wandern: als Hunger. Cholera und Bombardement. Wir wec Ii seilen mehrmals die Wohnung und l'iiiehlelen seh lieblich in einen Kahn, um den Kanonenkugeln um! der Cholera zu entgehen. Trotzdem erkrankte mein Bruder an der schrecklichen Krankheit, und meine Muller zog sich durch die Aufregungen ein Herzleiden zu, dem sie auch später erliegen sollte. Dann kamen die Üslerreicher zurück, und ich weinte damals vor Verzweiflung;. Die Stellung der jüdischen Familien war damals in Venedig nicht unangetastet. Langsam ringt sich der junge Luzzalli, der in einer seinfrommen Familie aufwächst, zu einer kritischen Stellungnahme seinem Glauben gegenüber durch. Meine Mutler Imlte, obwohl sie vielleicht etwas von meinen Zweifeln ahnte, ein solches Vertrauen zu mir. daf> sie mich eines Tages sofort rufen lief», als sie den Besuch einer katholischen Familie empfing, die Schlechtes über die Juden sprach. Sie forderte mich auf. auf die Beschuldigungen zu antworten, aber da ich aus den törichten Bemerkungen unserer (iäslc keine tragische Angelegenheit: machen und auch keinen ernsten Streit heraufbeschwören wollle, hollc ich ein 3>uch und sagte: „Wollen Sie wissen, was der heilige Bernhard sagt? ,l'bi Judaei desunu, pejus jiulaizare doleinus (Jiristianos l'oencralores/ l'nler den Juden wie unler den Katholiken linden sich Wucherer." - ,,Fs gibt wenigstens unter den Juden sicher mehr Wucherer als unler den Katholiken", anlAvorlelen die Gäste. -— „Das galt nur für die Zeit", erwiderte ich. ,,da die Juden weder ein Handwerk noch Ackerbau beireihen durften, sondern auf Geldgeschäfte angewiesen waren. Heute ist die Zahl der jüdischen Wucherer sehr klein." Fnsere Gäste schwiegen. iberzeugte ich sie? Man findet eher Zugang /.u der Meinung eines politischen Gegners als zu den verheizten Gefühlen eines religiösen Fanatikers. Damals wai*te iidi zum erstenmal meiner Muller, die über meine An wort entzückt war, davon zu reden, dat.) nach meiaier Anschauung alle gro f»en Religionen verschiedene Klänge einer göttlichen I larfe seien. Mit siebzehn Jahren, im Herbst des Jahres 18.">8. nachdem er seine Gvmna- . sialsludien in Venedig beendet hat. wird Luigi Luzzalli Hörer der Fniversität Padua. Hier erwacht er allmählich zum Bewußtsein seiner sozialen Aufgabe. Das damals er wach le nationale Gefühl und der Wunsch nach Selbstbestimmung war von den Regierungen wieder unterdrückt worden, und der herrschende Zustand erweckte in mir, der ich alle Grausamkeit und Fngereehligkeit aus tiefster Seide hable. ein Gefühl der Verwirrung und Verzweiflung. Alles schien mir trostlos und öde. Noch immer halle ich mein erstes, unglückliches

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