Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Djerba
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 418 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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418 MEN ORAH lencn Halsadern drohen zu platzen. Seine entzündeten Augen tränen. In dieser Straße sah ich einen einäugigen Greis als Schuhputzer! Hier lassen sich am Markttage die Schuster nieder, die sich keinen Laden leisten können, liier nähen und flicken sie das erbärmlichste Schuhwerk und klopfen auf alte Sohlen . . . Einige Schritte weiter sitzen die Spengler auf unebenem Boden und verarbeiten alte Konservendosen zu Petroleumlampen oder Kaffeekannen. Neben einer Karawanenherberge, vor der sich wiederkäuende Kamele niedergelassen haben, und Esel sich im Staube wälzen, befinden sich die höhlenähnlichen Werkstätten der jüdischen Schmiede. Beim roten Feuerschein, der im Hintergrund jeder dieser Höhlen wie ein Leuchtfeuer in pechschwarzer Nacht funkelt, bemerkt man die bärtigen Gesichter der Männer und ihren mit einem zerrissenen Hemd kaum bedeckten Leib. Der übrige Körper verschwindet im Rauch. Die Hämmer singen das Lied der Arbeit. Man hört das schwere Keuchen der asthmatischen Blasbälge. Draußen liegen Sicheln, Gitterwerk, Schlösser, Pllugeisen und der ganze Plunder eines Schrotthändlcrs. Wenn der Knude eines Tages drängt, wird der Schmied Pflugschar und Gitterwerk nehmen, die vergessen unter Schrott ruhen, wird sie glühen und auf dem Amboß bearbeiten, um sie recht und schlecht zu reparieren . . . JLJjerba ist ein Stück Erde, das sich jeder Zivilisation verschließt. Es kennt keine Kaffees, keine Kinos und keine Theater. Selbst das banale „Hotel de France*' oder ,,Hotel de l'Oasis", das man sonst im kleinsten afrikanischen Wüstennest findet, sucht man dort vergebens. Glückliches Land, in dem die Gastfreundschaft wie in der guten alten Zeit ausgeübt wird. Wer Unterkunft sucht, braucht nur an eine Tür zu klopfen! Guten Tag! Hier ist ein Brief für Sie von Herrn X..., Ihrem Freunde. Er ist auch mein Freund; ich komme von Tunis! . . . Tritt ein. mein Haus gehört Dir. Sei willkommen! Bald umstehen mich Kinder mit großen, schwarzen Augen, ihre Itaarlöckchen drängen sich unter den Kappen hervor, freuen sich mit mir, und rufen ihre Mutter. Graziös aber ängstlich streckt mir die Gastgeberin mit gesenktem Blick ührc Hand entgegen, nähert sich, und ihre Schmuckstücke klirren. Armbänder, schwere Halsketten und Fußringe, wie die Beduinen sie tragen, geben ihr das Aussehen eines geschmückten Idols. Man empfängt mich in einem deckenlosen Raum, dessen Boden