Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Djerba
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 415 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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D J E R B A 415 tönenden Sprache, unter einem großen Aufwand von Gesten gaben sie zu verstehen, daß man ihnen folgen solle. Ich lieft mich führen und kam gleich nach Verlassen des Strandes zu einer schmucken, von Binsen umgebenen Allee. Häuser stehen wie Kühen längs des Weges. Einen halben Kilomeier entfernt liegt die weiße Stadl, die klassische arabische Stadl mit ihren waagrechlen oder kuppellormigeii Dächern wie ein Riesenfriedhof, von Kakteen und Aloen umgehen. Das ganze Land ringsumher ist ein einziger (iarten von Palmen, die hoch empor gewachsen den Himmel mit ihren dunklen Silhouetten überschneiden. Auf schöner, gelber, durchfurchter Erde stehen unzählige, verkrüppelte und knotige Olivenhäume wie Sonnenschirme. Einen Augenblick betrachte ich die sich immer mehr verjüngenden Linien ihrer Fluchten. Aber der Anblick ermüdet, und man gibt es auf. den Horizont zu verfolgen, der steigt und fällt und allmählich vergeht. In der Ferne kann man die wuchtigen Bäume mit ihrem grauen Laub nicht mehr erkennen. Es ist ein grünliches Meer mit ■silbernen Reflexen, in dem sich die Wipfel im Winde schaukeln. Ah, warum habe ich nicht sogleich wieder den Segler bestiegen, der mich hierher gebracht halte? Dann hätten meine Augen den märchenhaften Anblick einer unvergleichlich schönen afrikanischen Landschaft f e s \ geh a 11 e n. Aber ich ging weiter. Und nachdem ich einige krumme Gassen durchschritten halte und zum Marktplatz gekommen war, blieb ich enttäuscht stellen. Vor mir lag das armseligste und banalste Dorf des Südens mit seinen schmutzigen Nomaden und seinen Händlern, die auf dem Boden hockten und fettes Fleisch, olgefüllte Schläuche, Siebe und alte Soldatenröcke verkauften . . . Der Marktaufseher fuhr auf einem Fahrrad von einer Gruppe zur anderen. Mitten durch die Menge zogen Kamele in ihrem gleichmäßigen Schritt. Einige Schafe folgten. War das die Insel mit dem goldenen Sand, die bezaubernde Insel der Lotophagen? Wer wird mir Lotus zu essen geben, damit ich soviel ausgebreitete Häßlichkeit vergessen kann? Indem ich nun dort stehen blieb, und den aufgeregten arabischen Markt betrachtete, vergaß ich, daß ich eigentlich die Juden von Djerba besuchen wollte. So irre ich quer durch die Basare, durcheile kleine Gäßehen, die beginnen, sich kreuzen und jäh enden, die ein Labyrinth bilden, in dem man sich schließlich nicht mehr auskennt. Endlich sehe ich Juden. Man erkennt sie an ihrem schwarzen oder dunkelblauen Turban, an ihren bauschigen Hosen, und an dem Hemd.