Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- In der Magnolienstraße
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IX DER MAGNOL1ENSTRAS.SK 405 Aber mit dem Kleingeld - das war eine merkwürdige Sache. Eigentlich wäre es vielleicht bequemer gewesen, wenn die Summe, die sie brauchten, wirklich eine große Summe gewesen wäre. Es war sehr viel unbequemer, wenn man im Geschüftsleben stand, mit kleinen Summen zu tun zu haben. Kleine Reträge konnte man sich sehr viel schwerer verschallen. Die Sache war die: wenn die Angestellten erst mal anfingen, davon zu reden, daß der Chef Kleingeld brauchte —- das konnte gewaltigen Schaden anrichten. Da dauerte es nicht lange, bis die Konkurrenz Wind von der Sache bekam. ,,Aha!"; sagten die Konkurrenten dann untereinander. „Also so weit ists mit dem armen alten Adolf gekommen, daß er solche Flickschuster- Geschäfte treiben muß! Aha!:' Und dann schmunzelten und nickten sie, wenn man in den Klub kam, und kratzten sich an der Nase. Und eh man sichs versah . . . Die ganze Familie Seipel in der Magnolienstraße jenseits des Weltmeeres schauderte voller Schrecken vor dem Rande des Abgrunds zurück, auf den Onkel Adolf angespielt hatte. Und wenn man nun denken mußte, daß man selbst beinahe Onkel Adolf dort hinein gestürzt hätte! Der alte Reh Feiwel, und liannah und Ruhen Seipel, und die zwölfjährige Jenny, und der achtjährige Sam, und der vierjährige Eli und der zweijährige Berel seufzten und schüttelten die Köpfe. Aber heut Abend gab es d o c h Salzhering und Kartoffeln; denn Ruhen hatte einen Auftrag auf zwei Wasch-Sländer bekommen. Und Berel konnte so viel Heringe vertragen, als wäre er ein Seehund. Sie bekamen ihm glänzend. Er war ein prächtiges Bürschlein. Denn d a s war eben so prachtvoll von Onkel Adolf. Er wurde niemals ungeduldig mit seinen armen alten Verwandten in Doomington. Und doch hätte man verstehen können, wenn er viel sellener geschrieben hätte — man mußte doch bedenken, mit was für Leuten er in New York verkehrte, Richtern und Magnaten und Generaldirektoren und der Himmel weiß wem noch. Er erzählte ihnen immer getreulich von der Entwicklung seiner Geschäfte: er befaßte sich mit Grundstücksverwaltungen. Schon als Junge in Rußland hatte er große Rosinen im Kopfe gehabt. Natürlich hatte nichts daraus werden können, dort in dem elenden Dörfchen am Dnjepr. Aber New York gab ihm seine Chance — wie es ihnen allen die ihre geben würde, so erinnerte er sie, so Gott will, in einem oder zwei Monaten, sobald er das Kleingeld da hatte . . .