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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
In der Magnolienstraße
Date
1932-09-01
Page
397 (sequence 1)
Language
German
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IN DER MAGNOLIEKISTRASSE {Eine Englisch-Jüdische Sensation) Schon seit langer Zeit hat kaum ein Buch auf dem englischen Büchermarkt so viel Aufsehen und so viel erregte Streitgespräche hervorgerufen, wie Louis Goldings Roman aus Doomington — das die Eingeweihten als Manchester erkennen — „Magnolia Street", Verlag Gollancz, London 1932. Juden griffen das Buch an — und Christen verteidigten es; und dann wechselten beide die Rollen. Grund genug, um auch dem deutschen Leser eine Ahnung von dem Inhalte des vielbesprochenen Buches zu geben. Der junge Golding, dessen frühere Bücher „Forward from Babylon" und „The Day of Atoiiemcnt" schon große Erwartungen weckten, wühlt sich zum Helden dieses neuen Buches keinen einzelnen Menschen, sondern — und das ist in unserer Zeit des Slrebens nach dem „Kollektiv'' besonders bezeichnend — eine Gemeinschaft von Menschen. Aber es ist nicht die nalurhaft gegebene Gemeinschaft von Menschen wie sie sich in der Familie verkörpert oder wenigstens noch zur Zeit unsrer Ellern verkörperte. Golding gibt eine Gemeinschaft von Menschen wie Zufall oder Schicksal sie in einer bestimmten Straße im Arbeiterviertel einer eng tischen Mittelstadt zusammenführt. Diese Straße in Doomington oder Manchester ist dadurch besonders merkwürdig, daß auf einer Seile dort nur Juden, auf der andern nur Christen wohnen. Und nun werden die Schicksale aller dieser Familien beleuchtet, wie sie sich im Laufe eines Menschenalters — des wellumwalzenden Menschenalters von 1910 bis 1930 — entwickeln. Das erste Buch spielt im Jahre 1910 und zeigt nur von fern am Horizont die drohende Kriegswolke. Dann werden im zweiten Buche, das im Jahre 1916 spielt, in einer für Deutschland grade nach manch ähnlichem Versuche bedeutsamen Spiegelang die Kriegserlebnisse der Daheimgebliebenen, die Juden wie Christen mit gleicher Härte treffen, wiedergegeben. Und im Schlußteil, der bis ins Jahr 1930 hineinreicht, schauen wir eine etwas gewaltsame, dem amerikanischen Happy End zustrebende Vereinigung aller Gegensätze in dei berühmten „Magnolia- Slreet-Gesellschaft", die von den beiden erfolgreichsten Kindern der Straße, dem Leichtgewichts-Weltmeister und Rabbinerssolin Mick Schulman und der Dollarmillionärin Bella Weinberg veranstaltet wird. Vereinigung der Gegensätze: das ist das eigentliche Thema des Buches; und vielleicht eine Hauplgrundlage seines Erfolges. So schrieben Kompert und Franzos vor mehr als einem Menschenalter — und „Christian und Lea" begeisterten unsere Mütter. Aber die Eindringlichkeit mancher Bilder: etwa die eifrige Frau Seipel mit dem reichen Bruder in New York, der nur leider im Augenblick kein Kleingeld hat, um ihr die Schiffskarten für sie und ihre Familie zu bezahlen; oder der weltfremde Prophet der Menschenliebe Emanuel, der im Leben immer zu kurz kommt; die düstere Gestalt des Abtrünnigen, der zum Judenmissionar geworden ist — das bleibt uns im Gedächtnis haften und verdient, daß auch hier in Deutschland dies kulturgeschichtlich bedeutsame und lebendig geschriebene Buch einen Leserkreis findet. " Bertha Beult-Stmuß. Aus „Magnolia Street" von Louis Golding Frau Seipel, die Gattin des Kunsttischlers Seipel — die hatte die große Neuigkeit heut früh zuerst in den Kolonialwaren - Laden gebracht. Und zwar war diese Neuigkeit von solcher Art, daß sie darüber ganz vergaß, daß sie doch gestern Abend wieder einen Brief von ihrem reichen Bruder Adolf in New York bekommen hatte. Dabei war das einer der herrlichsten Briefe, die sie je von ihm bekommen hatte.

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