Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Isaak Pinieff
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 381 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912922-2928624--11665-2928735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1SSAK P1N1EFF 381 P i n i e f f: Der gleiche Schmutz .. . Schi fr e: Ha, ha, ha! (Es klopft.) P i n i e f f (geht zur Tür). Schüre (Voll Angst): Öffnen Sie nicht! Pin ief f (öffnet. Lu n i n, ein Mann in den Dreißigern, tritt ein). Lunin: Guten Tag. Störe ich? P i n i e f f: Wer sind Sie? Lunin: Ich heiße Lunin. Ich bin ein Arbeiter. Pinie»! f: Was wünschen Sie? Lunin: Wenn ich nicht störe, möchte ich mit Ihnen etwas besprechen. Pinieff: Was wollen Sie mit mir besprechen? Lunin: Haben Sie Zeit und Geduld? Pinieff: Wenn es sich um etwas Wichtiges handelt. Lunin: Ich merke, Sie sind ein wenig zerstreut. P i n i e f f: Das stimmt. Luni n: Und erregt. Pinieff: Stimmt. Lunin: Es ist mir sehr unangenehm, daß ich gerade jetzt---— Pinieff: Können Sie das Gespräch aufschieben? Lunin: Ja, ich kann das Gespräch aufschieben. Ich bestehe nicht unbedingt darauf — ich will nicht lästig fallen. Aber ich war der Ansicht, es wäre notwendig, einiges mit Ihne n zu besprechen. Pdnief f: Da Sie nun einmal hier sind, sprechen Sie! Ich werde mich zusammennehmen. Luni n: Es ist mir wirklich unangenehm, daß ich zur Unzeit gekommen bin. Aber (mit einem Blick auf Schifte) ich mochte gerne mit Ihnen allein reden. Pinieff: Sie können so reden, als ob wir allein wären. Lunin: Ich meine — — ich glaube nicht, daß ich die Sache mit Bergmann besprechen könnte — oder mit Shaps — oder mit Silverslein. Pinieff: Kommen Sie, bitte, zur Sache! Lunin: Ich bin ein einfacher Arbeiter. Einer, der seit früher Jugend seine Tage und Jahre im Shop verbracht hat. Und Arbeiter werde ich wohl bis an mein Lebensende bleiben. Aber ich bin mit Ihnen, — ich begreife, daß unsere Organisation, wie sie bisher ist, gar keine Organisation ist. Sie steilt eigentlich den Arbeiter zwischen zwei Feuer und macht ihn zum Opferlamm für den Boss und den Gewerkschaftsführer. Daher bin ich eben mit ganzem Herzen für Ihre Reorganisalionsarbeit. Ich verstehe Sie sehr gut und deshalb möchte ich gern, daß Sie mich auch verstehen. Pinieff: Was soll ich verstehen? Lunin: Ich weiß, daß Sie mich verstehen werden. Die anderen würden eis nicht. Für die wäre ich ein lästiger Schwätzer und eine Landplage. Darum eben bin ich zu Ihnen gekommen. Pinieff: Das sind noch immer Vorreden. Lunin: Bitte, nicht ungeduldig werden! Ich komme sofort zum Kern der Sache. Wie ich bereits sagte -- ich bin mit Ihnen, — aber ich habe eine Bitte an Sie. (Er hält inne und schaut Pinieff fragend an. Pinieff aniwortet nicht und wartet auf eine Erklärung.) Die Bitte ist nictu von mir allein. Ich kleide in Worte, was sehr viele auf dem Herzen haben. Nicht alle.