Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Isaak Pinieff
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 370 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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370 MENORAH Nelson: Ich bin seit je ein guter Psychologe. Schifre: Sie wissen gar nichts! Nelson: Wirklich9 Schifre: Wissen Sie vielleicht auch, was für einen „frame up" man gegen ihn aushecken könnte? Nelson: Die schwere Menge! Da gab es zum Beispiel vor kurzem einen Bombenanschlag gegen ein Unternehmen, in dem gestreikt wird. Nach meiner festen Uberzeugung ist dieses Attentat das Werk eines Provokateurs, der von der Firma für Geld gedungen wurde. So etwas kann man leicht <ien Streikenden oder einem Agitator in die Schuhe schieben oder — einem solchen Feuerfresser wie Issak Pinieff. Und es lassen sich leicht Zeugen finden, die ihn im Zeitpunkt des Attentats in der Nähe der Fabrik bemerkt haben, sogar solche, die gesehen haben, wie er die Bombe legte. Begreifen Sie, was das bedeutet? ... Es gab vier Tote und sieben Schwerverletzte---- Schifre: Das sollte möglich sein? Nelson: Miß Kunin, es ist möglich. Schifre: Sie sprechen so davon, als wäre Ihnen ein solcher Plan bereits bekannt. Nelson: Ich spreche davon als ein Mann, der s&in Amerika und den amerikanischen Arbeiterkampf kennt. Sc hif res: Sind denn die Führer der Organisation solche Verbrecher? Nelson: Es kommt stets darauf an, aus welcher Perspektive man die Dinge betrachtet. In den Augen der Führer — Und nicht allein in ihren — ist Pinien" ein Verbrecher, der die Arbeiterinteressen so schwer schädigt, daß er beseitigt werden muß. Schifre: Warum dingt man dann nicht gleich einen Gangster mit einem Revolver oder einem Messer? Nelson (lachend): Nein, die Methode wäre für die Auftraggeber zu gefährlich. Ein ,,frame up" ist eine viel bequemere Methode. Übrigens — für Sie bedeuten beide Methoden das gleiche — Sie werden ihn verlieren. Schifre: Ich werde ihn verlieren, wenn ich versuche, ihn von seinen Plänen abzuhalten. Nelson: Wozu sind Sie eine schöne Frau? Schdf re: Wie niedrig! Nelson: Na, Na! Pinieff (tritt ein): Ich habe in Eile eine Tasse Kaffee hinabgegossen. Nel son: Ich gehe jetzt. Überlegen Sie, Pinieff, was ich Ihnen gesagt habe — es ist zu Ihrem Besten! Good bye! Good bye, Miß Kunin! (ab.) Pinieff: Ich bin froh, daß er mir nicht die Hand gereicht hat — ich hätte sie nicht nehmen können. Aber sagen Sie mir — wieso kommen Sie jetzt her, mitten in der Arbeitszeit? Sind Sie entlassen worden oder haben Sie Ihre Stelle aufgegeben? S c h i f r e: Ihnen muß man die Wahrheit sagen----Und ich kann keine Ausreden erfinden. Pinieff: Sie kommen in einer bestimmten Absicht? Schifre: Ja, Pinieff. Pinieff: In welcher? I