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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Isaak Pinieff
Date
1932-09-01
Page
Seite 366 (sequence 4)
Language
German
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366 MENORAH Journalist: Gut. Doch ich tue es so, daß man nicht erkennt, ob ich dir diene oder du mir. Ich muß sagen können — ich diene dem Prinzip. Arbeiterführer: Vorzüglich. Prinzip ist ein schönes Wort. Läßt sich verwenden. Ich will's mir merken. Mein Leibwort aber ist „publicity". Und „Publicity" mußt du mir die schwere Menge geben! Journalist: Ich werde dich so bekannt und bedeutend machen, daß du Führer bleibst, selbst wenn deine Taten dich ins Gefängnis bringen. Arbeiterf ü h r e r: Deine Hand! (drückt dem Journalisten begeistert die Hand). Der AI te (erscheint wieder): Verräter der Arbeitersache! Der Arbeiter wird nicht frei sein, solange er unter der Führung von Leuten steht, die aus dem Organisationsgedanken ein Geschäft machen! (Irgendwo schallt gellendes Lachen): Ich werde euch bekämpfen, ihr Betrüger! (Lachen). Ich werde die Arbeiter neu organisieren und euch vernichten... (Gellendes Gelächter, Pfeifen, Zischen, gewaltiger Lärm. Der Alte, der Arbeiterführer und der Journalist verschwinden. Der Lärm des Traumes geht in ein heftiges Pochen an der Eingangstür über). Pin ie f f (erwacht, sieht sich um, reibt sich die Augen. Es klopft abermals): Wer ist dort? Nelson (hinter der Szene): Nelson! P i n i e f f (erstaunt): Wer? N elson: Nelson! Morris Nelson! Pinieff: Einen Augenblick! (Wirft einen Schlafrock um, räumt hastig verschiedene Schriften und Papiere vom Tisch in die Lade, zieht die Fenstervorhänge auf und läßt das Tageslicht ins Zimmer, geht zur Tür und öffnet.) Auftritt Nelson Nelson: HaLLoo! Sie schlafen noch? Es ist bald zwölf. Ihre Sitzung hat wohl bis früh gedauert? Warum sehen Sie mich so an? Sie wundern sich wohl, daß ich von Ihrem Meeting weiß. Ich weiß altes. Pinieff (reibt sich die Augen): Ich weiß nicht recht — träume ich oder sind Sie es wirklich? Nelson: Was gibt es denn? Pi n i e f f: Ich habe Sie im Traum gesehen. Nelson: In gutem oder schlechtem Zusammenhang? Pinieff: In Ihrer wahren Gestalt. Nelson: Wie soll ich das auffassen? Pinieff: Sie kennen doch Ihre wahre Gestalt. Nelson: Ich möchte aber gern wissen, wie Ihr Traum Ihnen meine wahre Gestalt gezeigt hat. Pinieff: Ganz wie sie wirklich ist. Nelson: Sie weichen einer klaren Antwort aus. Meine wahre Gestalt, wie Sie sie wirklich sehen und verstehen, ist wahrscheinlich sehr häßlich. Pinieff (schaut ihn fest an, ohne zu antworten). Nelson: Haben Sie keinen Mut zu antworten? Pinieff: In Ihrem Munde klingt das Wort „Mut" sehr sonderbar, Nelson: Ich würde mich nicht fürchten, Ihnen die Antwort 7a\ geben, die Ihnen gebührt.

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