Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Isaak Pinieff
- Date
- 1932-09-01
- Page
- 363 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912922-2928624--11647-2928717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M ENORAH Für die deutsche Bühne bearbeitet von Siegfried Schmitz Es gereicht uns zu großer Freude, unsere Leser mit einem bedeutsamen Werke des großen jüdischen Dramatikers und Erzählers David Pinski bekanntmachen zu können. Die Freunde unseres Blattes haben sicher noch Pinskis eindrucksvolle Erzählungen ,,Die Wand" und „Die Geschichten des Baumeisters Salman" in Erinnerung, die in der „Menorah" erschienen sind. Nun veröffentlichen wir dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Autors und seines deutschen Bühnenbearbeiters im U r d r u c k a u s d c m M a 11 u s k r i p t den .'J. Aufzug des Dramas „Issak Pinief f", das der letzten, reifsten Schaff ensperiode des Dichters entstammt. Pinskis künstlerische Ausdrucksform ist hauptsächlich das Drama, und gleich sein erstes Bühnenwerk, die Arbeilertragödic „Eisik Scheffel" •wurde zu einem Wellerfolg, dem dann die starken Wirkungen des Schauspiels „Die Familie Zwi", der Komödie „Der Schatz" (mit Paidolf Schildkraut bei Reinhardt), des Dramas „Der ewige Jude" (in der „Habimah") u. a. m. folgten. „Issak PiniefT' ist nun eigentlich ein zweiter Teil der Tragödie des „Eisik Scheftel". Der Arbeiter Eisik Scheftel, ein Erfindcrtalent, erstickt in der Enge von Unterdrückung und Not, die auf ihm und seinesgleichen lastet. Weit stärker als unter dem Hunger leidet er unter der seelischen Qual, die seine Invention und sein Talent lähmt. In seiner Verzweiflung zertrümmert er die Maschinen, die er voll Hingabe geschaffen hat, und nimmt Gift. Dies in Kurzem das Schiek^.al des Melden in der Tragödie von Eisik Scheftel. In gewalliger Steigerung weilet nun der Dichter dieses Schicksal ins Allgemein-Menschliche. Der Selbstmörder Eisik Scheftel wird vom Tode gerettet. Er bricht alle Brücken zu seinem früheren Leben ab, ändert seinen Namen in Issak Pinieff und beschließt, sein ganzes Leben fortan der Befreiung des Arbeiters aus dem Druck eines glücklosen Lebens zu widmen. So wird er sozialistischer Führer. Mit derselben Hingabe, mit der sein schöpferischer GeisL die Ideen seiner Erfindungen in die Wirklichkeit umzusetzen trachtete, will PiniefT-Scheftel immer wieder die Idee des Sozialismus zu wirklichem Leben formen. Und der Zwiespalt zwischen der die Seele des Menschen fordernden Idee und der engen, immer aufs Nächstliegende gerichteten Körperlichkeit des Lebens bildet die Tragödie des Führers PiniefT-Scheftel. Der erste Akt des Dramas „Issak Pinieff" spielt zur Zeit der Revolution von 1906 in Rußland. Pinieff, der nur seiner Idee lebt und alle Äußerlichkeiten des Lebens verachtet — er weist auch die aufrichtige Liebe seiner Genossin Schifrc Kunin zurück — wird durch sein verschlossenes Wesen seinen Genossen als Provokateur verdächtig. Um sich von der Last eines solchen Verdachtes zu befreien, nützt er die Gelegenheit, sich den Verfolgungen der Polizei durch Flucht zu entziehen, nicht aus und wird zugleich mit Schifrc Kunin nach Sibirien deportiert. Im zweiten Akt finden wir PiniefT knapp nach Ausbruch des Weltkrieges in Paris. Fr will die dort lebenden russischen Sozialisten zu einer Aktion gegen den Krieg, den Brudermord der Arbeiterschaft, bewegen. Seine X. JAHRGANG SEPTEMBER/OKTOBER 1932 NUMMER 9/10