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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. Seite 349

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Der Zerfall der jüdischen Familie
Date
1932-07-01
Page
Seite 349 (sequence 4)
Language
German
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DER ZERFALL DER JÜDISCHEN FAMILIE 349 Juden Xichtjnden Berlin......... 13'6 163 Warschau....... 10-5 17 1 Budapest....... 134 172 Wien......... 148 15'6 Die Anzahl der Todesfälle ist somit bei der jüdischen Bevölkerung wohl niedriger, als bei der nichtjüdischen, während sie aber bei den letzteren noch immer im Sinken begriffen ist, nimmt sie bei den Juden, wenn auch nicht im erheblichen Ausmaß, so doch stetig zu. Zieht man die Bilanz aus den Geburts¬ und Todesfällen, so bietet sich in Bezug auf die Juden ein sehr trauriges Bild. Bei den Juden Wiens ist seit dem Jahre 1911 fast kein Überschuß mehr zu konstatieren. Im Jahre 192-1 betrug die Abnahme 0 77% und stieg bis zum Jahre 1929 auf fast 192% an. Nicht um vieles besser stellen sich die Verhältnisse in Berlin, wo gleichfalls von Jahr zu Jahr wie in den anderen Stlidten Westeuropas, die Zahl der Todesfälle höher ist, als die der Geburten. Hält man sich noch vor Augen, daß infolge des Schwindens jeder Tradilionsptlege, der fortwährenden Abnahme des jüdisch-religiösen Empfindens und im Zusammenhang damit auch des Außerach Hussens jeder Übung der Kultusvorschriften, die Zahl der Mischehen und der Austretenden aus dem Judentum anschwillt, so wird man es verständlich finden, daß sich jedem bewußten Juden die Frage aufdrängt, ob nicht das fortwährende Lockern all jener Bande, die ein ausgeprägtes jüdisches Familienleben ermöglichten, zum Schlüsse berechtigt, daß sich die jüdische Familie in Auflösung befindet. Ein Fortdauern dieses Zuslandes eröffnet sehr ungünstige Perspektiven für die Erhaltung und den Bestand der Juden, besonders wenn man in Betracht zieht, daß die hier angeführten Momente den Volkskörper erschüttern und in immer stärkerem Maße widerstandsunfähig machen. Diesem Unterhöhlen eines der wichtigsten Tragpfeilcr der jüdischen Existenz kann nur durch umfassende Maßnahmen Einhalt geboten werden. Diese können sich nicht blol,5 auf Pflege der Tradition beschränken, sondern müssen im weitem Maße die eigenen sozialen und wirtschaftlichen Kräfte der Juden zu stärken bedacht sein: Stärkung der wirtschaftlichen Positionen der Juden durch organisatori.se h e Z u s a m m e n f a ss u n g, die gegenüber den heutigen wirlschaftsantisemitischen Tendenzen umso dringender geboten erscheinen, Kräftigung aller sozialen Bindungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung, aktiver innerer Anteil an allen e i g c n k u 11 u r e 11 e vi Werten des jüdischen Volkes— das sind die hauptsächlichen Tendenzen, welche stetig wirksam sein müssen, um den Einsturz zu verhindern. Für jeden einzelnen Juden besteht angesichts der immer deutlicher werdenden Gefahr eine Ilauptpllicht: seine Lebensformen bewul.il so zu gestalten, daß sie nicht bloß dem Individuum, sondern auch der Erhaltung der Gemeinschaft dienen. I. RYBACK'S ILLUSTRATIONEN ZU ZANGWILL 'S „KÖNIG DER SCHNORRER" Byback hat in seinem bisherigen Sehaffen eine merkwürdig scharfe Erfassung, eine an die grausamste Satire grenzende Groteske bei der Darstellung jüdischer Typen gezeigt. Ist diese merkwürdige Well bizarrer, wunderlich entstellter Gestalten eine Kollektion von Mißgeburten, eine künstlerische Verleumdung des Lebens? Es wäre so, wenn nicht in dem Schaffell Rybacks eine heiße Liebe zu diesen Menschen zu spüren wäre, deren Empfindungsleben in einer Welt von Bedrückung und Verfolgung sich krüppelhaftig entwickeln mußte. Diese seelische Deformation projiziert der Künstler ins Körperlich-Visuelle. Für diese eigenartige Lebensauffassung hat Byback die entsprechende Ausdrucksform gefunden. Die Zeichnung besitz! die Präzision der Karikatur, ist aber durch gewollte Stumpfheit der Farbe verwischt. Sein Kolorit leidenschaftlich und phantastisch wie seine Gestalten, die Rhythmik gebrochen, gespannt und chaotisch. So konnte Rybacks Talent und Empfinden die Gestalten des Zangwillschcn Romancs in ihrer ganzen grotesken L'nwirklichkeil sinnfällig und ebenbürtig dem Dichter in ausgezeichneten Illustrationen dem Leser näherbringen. F. IL

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