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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. 336

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Ein Judenstaatsprojekt eines mohammedanischen Herrschers aus dem Jahre 1873
Date
1932-07-01
Page
336 (sequence 1)
Language
German
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EIN JUDENSTAATSPROJEKT EINES MOHAMMEDANISCHEN HERRSCHERS AUS DEM JAHRE 1873 Von Walter F i s c h e 1 Nachdruck verbotea Die Reise des persischen Königs Nasr ed Din (1848—1896) nach Europa im Jahre 1873 bot den damaligen Vertretern des Judentums eine willkommene Gelegenheit, eine Aktion bei dem Oberhaupt des persischen Reiches zugunsten der persischen Juden einzuleiten. Was bis dahin von der Lage der persischen Juden nach Europa durchgedrungen war, waren meist Hilferufe und Schreckensbriefe, Berichte von Pogromen. Verfolgungen und Zwangsbekehrungen. Ihre Situation war in jeder Beziehung entsetzlich, sie waren völlig entrechtet und verachtet und der Willkür der fanatischen schiitischen Geistlichkeit ausgeliefert, ohne Schutz und Protektion und auch ohne Einfluß und Macht. Voller Sorge blickten die Führer des europäischen Judentums auf das Schicksal ihrer Brüder in dem fernen Persien, und überlegten die Schritte, die zu einer Besserung führen könnten. Materielle Hilfe allein hätte nicht genügt, ihr trauriges Los zu bessern; als Voraussetzung einer auf die Verbesserung ihrer sozialen, ökonomischen und kulturellen Lage hinzielenden Hilfsaktion von Seiten der jüdischen Institutionen Europas mußten erst gewisse politische Garantien erlangt werden. In dem damaligen konstitutionslosen, autokratisch regierten Persien — erst 1906 erhielt Persien eine Verfassung — konnten also nur durch Beeinflussung der leitenden Kreise irgendwelche Konzessionen zugunsten der jüdischen Untertanen Persiens erreicht werden. Es war deshalb ein durchaus richtiger Instinkt der Führer der Alliance Israelite Universelle und der Anglo-Jewish Association, mit dem rührigen Cremieux und Moses Monteßore an der Spitze, durch eine großzügige Aktion dem Schah bei seinem Besuch in Europa die ganze Bedeutung des europäischen Judentums vor Augen zu führen, um so auf ihn einen Einfluß auszuüben. In allen Hauptstädten Europas wurden besondere jüdische Committees gegründet, zu denen die bekanntesten und repräsentativsten Juden gehörten, und die dem Schah Petitionen zugunsten der persischen Juden überreichen sollten. Diese Art der von der Alliance inaugurierten Aktion war um so angebrachter, als man sehr genau wußte, daß der Schah ein großes Gewicht auf die öffentliche Meinung Europas legte, also auch das Eintreten jüdischer Persönlichkeiten von Namen und Rang für seine jüdi-

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