Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Begegnung mit jüdischen Zeitgenossen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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332 MEN ORAH Als ich Mombert das letztemal besuchte, stand sein sechzigster Geburtstag bevor. Die Stadt hatte mir wieder, wenigstens halboffiziell, den Auftrag gegeben, ob sie ihn durch eine Alfred Mombert-Straße ehren dürfe, da er ja ein geborener Karlsruher war. „Nehmen Sie aber bitte eine ruhige Straße, wenn es unbedingt sein muß", sagte er mir noch einmal lächelnd beim Abschied. Die Stadt Karlsruhe hat natürlich auch diesmal wieder versagt. Ich habe nicht gehört, daß sie eine Alfred Mombert-Straße geschaffen hat. er Anteil des Judentums an der deutschen Kultur hat mich seit Kriegsende dauernd beschäftigt. Es ist klar, daß man Namen wie Albert Einstein, Martin Buber, Alfred Mombert, Edmund Husserl, Ernst Cassirer, Sigmund Freud, Friedrich Gundolf (um nur diese zu nennen) nicht einfach aus der deutschen Kultur des 20. Jahrhunderts ausstreichen kann. Mit der j ü d i s c h e n M u s i k habe ich mich zehn Jahre beschäftigt und nicht nur ein Buch verölTentlicht, sondern auch zahllose Aufsätze in Berlin, Wien, Prag. Mit der jüdischen Philosophie habe ich mich ebenfalls wenigstens solange beschäftigt. Ich kenne die Philosophie Bergsons, Husseiis. Gassirers und Senders (des Halbjuden) und weiß, daß hier eine große geislesgesehichtliche Leistung vorliegt. Mit der jüdischen Literatur hat es bei mir allerdings einen Haken. Mit Ausnahme zu den Dichtungen Allred M o m b e r t s hatte ich nie ein großes Verhältnis zu jüdischen Dichtern. In Alfred Mombert sehe ich allerdings das Urbild des orplüschen Dichters und ich stelle ihn auf eine Ebene mit Stefan George, wiewohl beide im Typus grundverschieden sind. Uber mein persönliches und sachliches Verhältnis zu Mombert habe ich bereits gesprochen. Ein Mombert diametral entgegengesetzter Typus ist Jakob Wassermann. Nicht, daß Wassermann weniger jüdisch ist als Mombert. Er ist nur formal ganz anders geartet. Mombert ist Dichter, Wassermann ist Schriftsteller — womit natürlich keine Wertung ausgesprochen sein soll. In Frankreich ist der poete dem ecrivain eher untergeordnet als übergeordnet. Mombert schreibt in Gedanken-Bildern, Wassermann ist Roman- Jakoo \K^assermann oder Der We<7 als Deutscher und als Jude