Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Begegnung mit jüdischen Zeitgenossen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 330 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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330 ME N O RAH Für mich war der ganze Vorgang jedoch symbolisch. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn Monibert unter einer Hausnummer gelebt hätte, die es gar nicht gibt, bloß um im Verborgenen bleiben zu können. In seiner Arbeitsstube sieht es denn auch aus wie in einem mittelalterlichen Gewölbe. Eine romantische Dekoration? Vielleicht. Aber wie hätte es bei Alfred Mombert anders aussehen können? Mombert ist, wie Ziegler, ein geborener K a r 1 s r u h e r. Aber die Helle und Klarheit dieser Stadt muß einem versponnenen Menschen wehtun. Zu ihm paßt die romantische Landschaft II e i d e 1 b e r g s. In Karlsruhe war Mombert am Gericht tätig. Aber unter den Akten schrieb er seine erste Dichtung. Ich hatte den offiziellen Auftrag, Mombert zum KARLSRUHER KONGRESS einzuladen, der im Sommer 1930 stattfand. Das war für ihn natürlich eine willkommene Gelegenheit, die guten Karlsruher wieder einmal bei den Haaren zu rupfen. Dabei waren seine Einwände vollkommen richtig: die Karlsruher sind wirklich nüchterne und schwerfällige Menschen. „Wenn ich nach Karlsruhe komme", sagte er lachend, „gehe ich immer im Schatten — damit mich keiner sieht."!Es gelang mir schließlich ihn zu überzeugen, daß er unmöglich fehlen dürfe, und er sagte eine RHAPSODISCHE VORLESUNG zu. ,.Ja, meinen Sie wirklich, daß dazu in Karlsruhe jemand kommt?" Ich machte ihm verzweiflungsvoll klar, daß es dabei gar nicht auf die Karlsruher ankomme, sondern auf die Fremden. Für diese sei der Name Mombert mehr als für die Karlsruher. Er hatte allerdings Recht behalten. Weder die Karlsruher, noch die Fremden waren gekommen. Er las — wie man sagt — vor leeren Stühlen. Den wenigen Anwesenden war diese RHAPSODISCHE VOR¬ LESUNG allerdings unvergeßlich. Man vernahm nichts als eine ferne Stimme aus dem All, die psalmodierend, immer wieder ansteigend und absinkend, in ihrer scheinbaren Monotonie wirklich das Erlebnis des orphischen Dichters vermittelte. Ich habe später Mombert noch oft in Heidelberg besucht. Immer wurde ich von ihm freundlich empfangen. Dieser hagere, schon beinahe mumienhafte Mensch ist im Umgang sehr gesprächig und lebendig. ,,Sie halten mich für abstrakt", sagte er einmal. „Ich bin genau das Gegenteil: ganz konkret. Ich liebe nur das Konkrete." Daran zweifelte ich nicht. Ob aber die Liebe des Konkreten nicht