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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 269

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Ch. S. Slonimski
Date
1932-05-01
Page
Seite 269 (sequence 3)
Language
German
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CH. S. SLONIMSKI Verehrtester Herr Slonimski! Ich bin lief in Ihrer Schuld durch so lange Verzögerung des Dankes für eine Ehre, die K\v. Wohlgeboren mir so wohlwollend bereitet lial)en. Die unruhige Lage, in der ich lebe, in einer politisch und gesellschaftlich so bewegten Zeil, kann mich kaum rechtfertigen. Eine Empfehlung von zwei berühmten, mir so tcuereii Freunden wie Hessel und Jacoby läßt einen dauernden Eindruck. Der hebräischen Literatur leider entfremdet, aber von früher lugend an mit den Edelsten Ihrer Glaubensgenossen innigst verbunden, ein lebhafter und ausdauernder Verfechter der ihnen gebührenden und so vielfach noch immer entzogenen Hechte, bin ich nicht gleichgültig für die Ehre, die Sie mir erwiesen haben. Das Zeugnis eines liefen orientalischen Sprachkenners, des vortrefflichen, so mannigfach ausgebildeten Doktor Michael Sachs, kann eine solche Auszeichnung nur erhöhen. Es ist für den hingraphisch Helobten fast eine Beruhigung, der Ursprache nicht mächtig zu sein. Ich werde vom Dienstag an einige Wochen wieder in Berlin wohnen, und vom Dienstag au wird jeden Tag zwischen 1 und 2 es mir eine Freude sein. Herrn Slonimski, falls er nicht schon nach Warschau zurückgekehrt ist, in Merlin zu empfangen und Ihnen den Ausdruck der innigsten Hochachtung mündlich zu erneuern, die Ihren schönen früheren wissenschaftlichen Bestrebungen gebührt. Ew. Wohlgeboren gehorsamster Alexander v. Humboldt. Potsdam, den 12. Dezember 1858. Aus der ersten Zeit der Bekanntschaft Slonimskis mit Humboldt verdient eine lustige Fpisode mitgeteilt zu werden. Alexander v. Humboldt, der bekanntlich der Intimus Friedrich Wilhelms IV. war, wußte den König für den jüdischen Gelehrten dermaßen zu interessieren, da(.5 der Monarch ihn zu einer Privataudienz entbot. Humboldt benachrichtigte hievon Slonimski und gab ihm den Tag an. an dem er ihn beim König einführen werde. Slonimski trug damals die polnisch-jüdische Tracht; da er nur vorübergehend in Deutschland weilte, sah er sich nicht veranlaßt, die „traditionelle" Kleidung mit einer moderneuropäischen zu verlauschen. Allein vor dem König mochte er denn doch nicht so erscheinen. Er verschaffte sich daher schleunigst einen schwarzen Geh rock, weil.ie Binde und alles andere, was zum ..Modenienschen" gehört. Zur bestimmten Zeit erschien er bei Humboldt; dieser war nicht wenig erstaunt, einen völlig umgewandelten Slonimski vor sich zu sehen. ..Aber lieber Herr Slonimski", sagte Humboldt lächelnd, „was fällt Ihnen denn ein, sich zu maskieren. Der König ist gerade auf den Forscher im Kaltau neugierig." Slonimski mußte nach Hause eilen, den neuen ..Modenienschen" ausziehen und den allen ..Kaflanjuden" wieder anziehen. So wurde — wohl zum ersten und einzigen Mal — ein Kal'lanjude von einem preußischen König in Privataudienz empfangen. In den Jahren ]H')'A bis 18ö<> machte Slonimski mehrere physikalische Erfindungen, so eine zur Verbesserung der Dampfmaschine idas Recht zur Verwertung erwarb Borsig in Berlin}, eine andere, gemeinsam mit Aron Bernslein, auf dem Gebiete der Telegraphie; diese Erfindung wurde später von Lord Kelon ausgebaut. Im Jahre begründete Slonimski in Warschau die ..Hazefirah". die zuerst als Wochenblatt erschien und 1880 unter der Redaktion von Xahum Sokolow in eine Tageszeitung umgewandelt wurde. Zwölf Jahre lang versah Slonimski in Rußland das Amt eines Zensors für hebräische Werke. Außer den erwähnten Schriften hat Slonimski verschiedene naturwissenschaftliche Aufsätze, auch in russischer und deutscher Sprache, veröffentlicht. Slonimski starb 1904 zu Warschau. Bis ins Greisenalter war er literarisch tätig und schrieb noch in eleu letzten Jahren seines Lebens wissenschaftliche Beiträge für die von ihm begründete ..Hazefirah".

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