Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Ch. S. Slonimski
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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268 MENORAH lerner (.'in Lehrbuch der Astronomie, das unter dem Titel „Geschichte des Himmels" erschien, ein Buch über das jüdische Kalenderwesen und eine höchst eigenartige naturwissenschaftliche Schrill über die Unsterblichkeit der Seele. Für eine von ihm auf Grund einer neuen Zahlcntheorie erfundene Rechenmaschine erhielt Slonimski 1844 von der Petersburger Akademie den Demidow-Preis und auf Antrag des Ministers Owarovr das Ehrenbürgerrecht. Im selben Jahre (1844) kam Slonimski nach Rellin, um hier eine physikalische Erfindung zn verwerten. In der preußischen Hauptstadt war es ihm vergönnt, mit den namhaftesten deutschen Forschern auf dem Gebiete der Mathematik und Astronomie wie Hessel, Grelle, Enke, Ideler, Jacoby persönlich bekannt zu werden. Ideler machte ihn mit Alexander v. Humboldt bekannt, und dieser fand an dem kenntnisreichen polnisch-jüdischen Gelehrten außerordentlich Gefallen. Er .zeichnete ihn bald durch sein besonderes Wohlwollen aus; Slonimski durfte den Nestor der deutschen Wissenschaft in dessen Heim besuchen und ihm seine eigenen Forschungsergebnisse mitteilen. Die Bekanntschaft mit Alexander v. Humboldt zählte Slonimski zu den schönsten Errungenschaften seines Lebens: er war dem Schicksal dankbar, das ihn mit dem Nestor der Naturwissenschaft zusammengeführt hatte. Von diesem Dankgefühl legt eine in hebräischer Sprache abgefaßte Schrift Slonimskis „Ot Sikaron. Alexander v. Humboldt, eine biographische Skizze" (Berlin 1857) beredtes Zeugnis ab. Das Buch, dem Altmeister der Naturwissenschaft zu seinem achtundachtzigsten Geburtstage gewidmet, enthält eine ausführliche Lebensbeschreibung Humboldts sowie eine eingehende Besprechung der von ihm in französischer und deutscher Sprache erschienenen Werke. Welchen Beifall Slonimskis Humboldt-Biographie, die übrigens auf Kosten der Berliner Jüdischen Gemeinde gedruckt wurde, beim hebräischen Lesepublikum fand, beweist der Umstand, daß sie drei Auflagen erlebte — was bei hebräischen Büchern, zumal wenn es sich um Biographien handelt, selten vorkommt. Da das Vorwort zu dieser biographischen Skizze in kurzem Umriß eine Charakteristik der Persönlichkeit Humboldts entwirf i, so möge es hier in einer möglichst wortgetreuen Übertragung wiedergegeben sein. Slonimski schreib!: „Die Lebensschicksale dieses hervorragenden Mannes (Alexander v. Humboldts) sind mit der Entwicklungsgeschichte der Wissenschaften, die sich in den letzten siebzig .fuhren verbreiteten, eng verknüpft; alle Werke und Leistungen, die dieser Große während seines ganzen Lebens mit Mühe und Fleiß vollbracht hat, sind mit den neuesten Forschungen der Naturwissenschaft verwoben und verzweigt. Und wo ist der Mann, der an den Pforten der Weisheil wacht, um das Große und Wunderbare zu schauen, und seine Lippen überslrennten nicht von Dank und Lob für diesen großen Forscher? . . . Deshalb fand ich es für nützlich, auch den Kindern meines Volkes die Leheusgeschichle dieses bedeutenden Mannes in der ihnen lieb gewordenen hebräischen Sprache zu erzählen. Ich beabsichtige in dieser Schrift einerseits auf den Wissensreichtum unserer Tage und auf die unentwegten Mühen und Strebungen der Forscher, in die Tiefen der Erkenntnis einzudringen und die Wahrheit ans Licht zu fördern, hinzuweisen, sowie andererseits dem Nestor des Wissens ein ewiges Denkmal auf den hebräischen Gefilden zu errichten. Groß wie seine Weisheit ist seine Biederkeit und sein Gerechtigkeitssinn. Er hat mehr als einmal vor den Augen der Nationen für das Volk Israel eine Lanze gebrochen. Jeder Jude, der Liehe zu seinem Volke empfindet, wird voll des Lobes und des Dankes sein für diesen Weisen, dessen Name ewig leuchten und dessen Gerechtigkeitssinn ewigen Bestand haben wird." Als Slonimski im Jahre 1857 zum zweiten Male in Berlin weilte, überreichte er dem greisen Forscher die biographische Skizze mit einem Begleitschreiben des Orientalisten Doktor Michael Sachs. Darauf erhielt Slonimski von Humboldt folgendes Dankschreiben: