Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Georg Kars
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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266 MENORAH Ton seiner Werke. Doch die Angst klingt durch. Kaum vernehmbar und doch deutlich genug, um die Zucht und die Gelassenheit seines Schaffens menschlich ergreifend zu machen. Ergreifender als es von sich aus ein Stück guter, und sei sie noch so gut. Malerei zu wirken vermöchte. Kars ist in der Nähe von Prag geboren und verbrachte seine; Jugend in dieser sagendurchströmlen Stadialeren Menschen so oft am Hände des Unheimlichen leben. Kr zeichnete schon als kleines Kind leidenschaftlich gerne. Denn — so erzählt er — dadurch wurden ihm die Dinge verständlicher als in Wirklichkeil, wo sie ihm unfaßbar, unerreichbar vorkamen. Wer kann es fassen, was die ereignislose Ruhe einer wolilbchütelen Kindheit an Grauen birgt? Künstler zu werden, entschloß er sich erst, als er einen armen Schlucker von Maler kennenlernte, der in seinem Ellernhause Porträtaufträge ausführte. Die Fröhlichkeit dieses Menschen tat es ihm vor allem an. Denn da seine ganze Umgebung trotz Wohlhabenheil und gesicherter Existenz stets von Sorgen bedrückt war. so —■ dachte der junge Kars— miiU offensichtlich auf dem Hoden des Künstlerherufes jenes Wunderkraul wachsen, das vor des Lebens Unbilden schützt. Und er träumte forlan. Maler zu werden. Nach einigem Widerstreben gewährten ihm seine Eltern die Hille, private Zeichenstunden zu nehmen und schickten ihn, nicht bevor er die Reifeprüfung bestanden hatte, und trotzdem sein Zeichenlehrer ihn als sehr wenig begabt qualifizierte, nach München an die Akademie. Franz Stuck war dort sein Professor, doch seine Meister waren Liebcrmann und die französischen Impressionisten, deren Bilder er ab und zu ausgestellt sah. So zog er denn bald nach Paris und wurde dort zunächst, wie eben um jene Zeit jeder junge Mann von Talent und lebendigem Geist, überzeugter Impressionist. Es gibt aber kaum einen Stil, der seinem grüblerischen Naturell, in dem alle Eindrücke kniffe nachwirken, dem also rascher Wechsel peinlich ist, es gibt gewiß keine Lebenseinstetlung, die Kars weniger gemäß wäre als die impressionistische, ganz dem Augenblick und dem Gleiten der Dinge zugewandte. Eine Heise nach Spanien, wohin er sich nach längerem Aufenthalt in Paris begab, brachte ihm die Diskrepanz zwischen seiner Veranlagung und der Kunstart, deren er sich belleiüigle, zum Bewußtsein. Die Malerei dieses Landes, von Dämonen besessen und doch erdhaft und gemessen im Ausdruck, nahm ihn gefangen. Er kopierte Hilder von Velasquez und vor allem Croya, den Meister der gespenstischen Graphik und der herb verhaltenen Bildnisse: den Greeo scheint er nicht näher beachtet zu haben; so sehr ist es wahr, daß man nur Wesen sverwandles sieht und aufnimmt. Dem Impressionismus und all seinen farbigen Kostbarkeiten entsagend, bemüht sich nun Kars mit den Hüsten seiner Generation um eine klare Form. Von der Strömung fortgerissen, macht auch er die kubistischen Experimente mit. Doch nur eine kurze Strecke geht er diesen Weg. Haid besinnt er sich, ..dal.» die Natur doch wohl genialer sei als das menschliche Genie", wendet sieh von der abstrakten Analyse des Kubismus dem Studium konkreter Formen zu und trachtet in konsequenter, unermüdlicher Arbeit eine malerische Sprache zu gewinnen, in der er seine Welt gestalten könnte. An Stillleben, die er mit voller Überlegung zusammenstellt-, lern! er das Nebeneinander verschiedener Formen zu beherrschen und die eine durch die andere zur Gellung zu bringen. Die Landschaft hilft ihm, anstatt der abstrakten und gewaltsamen Komposilionsart der zeitgenössischen konstruktivistischen Schulen, im Anschluß an die Natur eine organische Bildfonn y.u gewinnen, in der die Teile sieh zwar zu einer Einheil fügen, aber dabei doch ihre eigne Existenz keineswegs aufgeben. In dieser Entwicklung ist ihm zuerst die Zeichnung Hauptsache und sie bleibt es auch im Grunde immerdar in seiner Kunst. Ist sEe es doch, die die Massen zusammenhält, verhindert, daß die Dinge zum Chaos ineinanderfließen, kurz, die Ordnung in die Welt bringt — also das Leben erst lebbar macht. Die Farbe wird durch die Konturen in ihre Grenzen gewiesen und bleibt in ihnen auch später, da Kars von deutlichen Umrißlinieii Abstand