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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Zum Problem der synagogalen Musiktradition
Date
1932-05-01
Page
Seite 265 (sequence 2)
Language
German
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GEORG KARS 265 hen Symptomen: sie haben cli'n Khrgeiz. die u-uerworbene musikalische Allgemeinbildung, die sie insbesondere durch die Musik von Räch <ns Wagner gewonnen haben, auf ihr eigenes iehiet zu übertragen. Ks ist merkwürdig, A\ie ier deutsehe komponierende Chasan nicht .oii) Einfluß Mendelssohns loskommt. Wie er örmlich der Suggestion unterliegt, dal.) die Mendelssohnsehe Musik, weil von einem ,lulen herstammend, auch unbedingt jüdische Musik sein müsse. Sieher lassen sieh bei Mendelssohn jüdische Komponenten feststellen; iber bekanntlich überwiegt bei ihm entschielen das deutsch-romantische Klement. Und gerade dieses isl es meist, was der Kantor oder > hor-Dirigent erwischt, der sich in seinen Werken vom Geiste dieses Komponisten inspirieren läßt. So kann nur ein schiefer und illegaler Kompromiß entstehen. Zumal die so gezeugten Kompositionen trotz vieler Vorzüge und Re- ^abtheiten im allgemeinen nicht viel Zwingendes haben und zum Teil sogar nur mehr oder weniger geschickte Konstruktionen aus hergebrachten Floskeln darstellen, worüber auch der bisweilen erhebliche — ebenfalls von der Uomanlik herrührende — Stimmungsgehalt keineswegs hinwegtäuschen kann. Man kann schon froh sein, wenn man hier einein Komponisten begegnet, der auf effektvolle ..Mätzchen'" verzichtet und nicht durch sogenannte ..jüdische Motive" ein ..jüdisches Timbre'* in seine deutsche Melodie hineinzubringen versucht. Die Ursache liegt aber noch in etwas anderem: nämlich in dem mangelnden Kontakt des Svnagogenkomponislen zur Musik der Gegenwart. Ks scheint, als ob diese Autoren niemals ein Werk aus der letzten Jahrhunderthälfte gehört, geschweige denn sieh auch nur ■in mindesten mit zeitgenössischer Tonsprache und ihren Problemen auseinandergesellA haben. Ks ist vielmehr so, als ob das jüngste Musikstudium nie gewesen wäre. Um diesem Zustand abzuheilen, ist es nötig, daß der Schöpfer kanloraler Musik einmal einsieht, was er alles von der Musik seiner Zeit lernen kann. Ks ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß sich moderne Klanggcbilde nicht zur Vertonung jüdischer Musik eignen. Demgegenüber nuil.» betont werden, daß gerade die Prinzipien zeitgenössischer Tonselzimg, also die erneute Vorherrschaft der Melodie, die Befreiung von klassisch-romantischen Ton Vorstellungen und von schablonenhaften Kormprinzipien dem Charakter der älteren jüdischen Tradition vielfach besonders entsprechen. Diese Krkennlni.s sollte ausreichen, für den Komponisten neuer jüdischer Tempehmisik richtunggebend zu sein. GEORG KARS Als ..L.vistenzmalerefk könnte mau vielleicht am besten die Kunst von Georg Kars bezeichnen. Kr malt Stilleben von seltsamer Eindringlichkeit. Landschaften aus dem Süden, wo unter dem glühenden Hauch der Sonne die weißen Slrat.'en mit ihren Räumen und Häusern starr liegen, und Kigurcnbildcr — massige I'rauen. sitzend, ruhend. Die Können sind breit und mit sichtlicher Preude unterstrichen, die Körperliaftigkeit so herausgearbeitet, daß man das Lasten ihres Gewichtes zu spüren glaubt. Nie geschieht in seinen Werken etwas. Alle seine Gebilde sind; dieses Sein ist ihr ganzer Sinn. Past wäre man versucht zu sagen: dieses Sein ist ihre Leistung. Denn es ist nicht nur kraftvoll, indem es gebundene Kräfte in sich enthält, sondern es scheint Kraftaufwand zu kosten. Dasein, Raiimeinnehmen ist hier keine banale Gegebenheit. Ks hat den Akzent einer Tat, beinahe einer Errungenschaft. Und so bricht indirekt aus diesen vornehm-unpersönlichen, scheinbar so ruhigen Bildern eine zurückgedrängte Lebensangst. Vielleicht würde Kars, wäre er nicht so kultiviert, wde Sutin panische, Schreie ausstoßen. Doch diszipliniert und guten Willens, verbildet er sich jede nervengeborene Verzerrung, verzichtet darauf, seine Angst auszudrücken. Kr klammert sich fest an die Wirklichkeit wie ein erschrecktes Kind an seine Mutter, und sucht Trost und Zuversicht an ihrem wuchtigen Sein. Ks gelingt ihm auch den Schreck zu beherrschen. Ernsl und entschlossen, manchmal fast heiter ist der

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