Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Reb Zalman
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 216 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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216 MEN ORAH sinnig und trotzig war, blieb sie deshalb nicht doch sein Kind? „Ich muß ihr schreiben, ihr heute, morgen noch einen freundlichen Brief schreiben, der uns nach diesem häßlichen Jahr der Entfremdung wieder zusammenbringt, und muß ihr die fünfundzwanzig Pfund schicken, die ich mir zusammengespart habe. . ." Er stolperte in seine Kammer und sank auf das zerwühlte Bett. Dann wollte er nach dem Fußende der Matratze greifen, aber seine Hand sank kraftlos herab, und so blieb er röchelnd liegen. Großer Gott, er hatte seit gestern Morgen keinen Bissen gegessen! Dort lag ja in der Tischlade ein Stück Schwarzbrot, und er wollte seine Wirtin bitten, ihm eine Tasse Tee zu bringen, Er versuchte aufzustehen, war es aber nicht imstande — wollte rufen, aber nur ein unartikuliertes Lallen kam aus seiner Kehle. In der Ecke lag sein Korb mit der Ware, das Bündel Schuhriemen lag verstreut auf dem Boden umher. Als seine gebrechliche Hausfrau zu ihm heraufkam, hörte sie ihn die Sterbegebete, die er vollkommen auswendig wußte, vor sich hinmurmeln. Dabei zeigte er immer wieder auf das Fußende der Matratze, bis sie ihn endlich verstand. Es gelang ihr aber nicht, herauszubekommen, wem er mit seinen verworrenen, zusammenhanglosen Redereien das Geld eigentlich vermachen wollte. Einige Minuten später hatte Reb Zalman ausgelitten. In den Abendblättern aber erschien eine kurze Notiz über einen alten Geizhals, der verhungert war, während in seiner Matratze fünfundzwanzig Pfund zusammengescharrt lagen . . . Aus dem Englischen übertragen von Dr. AI}red Neurnann