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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Reb Zalman
Date
1932-05-01
Page
214 (sequence 1)
Language
German
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REB ZALMAN Von Noah Eiste in Wie Reb Zalman sonst noch geheißen, hat kein Mensch je erfahren, denn „Reb" war von jeher die einzig gebräuchliche Bezeichnung für einen alten frommen Juden. Ohne sich um Hitze, Kälte und Regen zu scheren, trottete er die Straßen dahin mit seinem Korb voll billigen Zeugs, aus dem ein Bündel Schuhriemen herauslugte, die mit ihren Messingspitzen rhythmisch im Takt aneinanderschlugen. Seine müden, tief dunklen Augen blickten gewöhnlich nicht zu Boden, sondern starrten ins Leere, ohne daß die Dinge dieser Welt in sie gedrungen wären. Hohlwangig und ausgemergelt von übermäßigem Fasten und zu vielem Wachen verriet Reb Zalman dennoch keine Schwäche. Und wenn er auch auf seinen abgetretenen Absätzen nur so dahinkroch — seine Seele schwebte dafür in höheren Regionen. Allein, wie er war, hauste er in einem elenden Hofkabinett. Vor Jahren hatte es ihn aus Rußland nach seinem jetzigen Domizil verschlagen, wo er alles zusammenscharrte und zusammenkratzte, um es seiner Tochter, die ihre Mutter verloren hatte, zu schicken. Für sich selbst kaufte er nicht einmal einen Knopf, sondern trug stets die alten Kleider, die man ihm aus dem Nachlaß Verstorbener schenkte. (Wenn er aber den Toten bei Lebzeiten nicht hatte leiden können, so wies er auch seine Anzüge zurück.) Seine Nahrung bestand hauptsächlich aus Schwarzbrot und Wasser. Alles w7as er verdiente, war ausschließlich für seine Tochter bestimmt. Jahr für Jahr aber verging und sein sauer erworbenes Geld wollte keine Früchte tragen. Elka blieb ledig. Reb Zalman war bitter enttäuscht. Was nützte ihm all seine Frömmigkeit, wenn er seine Tochter als alte Jungfer zurücklassen mußte? Wie konnte er mit einer solchen Sünde beschwert im Jenseits auf Seligkeit hoffen? Verwandte schrieben ihm, daß sie mehr als eine gute Partie ausgeschlagen hatte — sie war eben trotz ihrer Jahre wählerisch. Von Angst und Ärger erfüllt machte er ihr ernstliche Vorwürfe und drohte sogar, die Geldsendungen einzustellen, wenn sie nicht Vernunft annähme, worauf sie eine freche Antwort gab. Schwerer Kummer befiel Reb Zalman und nicht einmal in den Psalmen, die er von A bis Z auswendig kannte, vermochte er Trost zu finden. Aber auch der tägliche Umgang mit seinen Glaubensgenossen konnte ihn nicht trösten, und andere Bekannte hatte er nicht. Ein kurzes Kopfnicken, gefolgt von einem Türi

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