Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 213 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912920-2928170--11330-2928308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
QUER DURCH AMERIKA 213 ich die Empfindung, als hätten sie bei diesem Juden Rast gemacht auf ihrer Wanderschaft über die ganze Erdkugel. Viele gab es ihrer und verschiedene, von allen Ecken und Enden der Erde waren sie in des Juden kleinen Laden gekommen, aus China, aus Japan, aus Italien, aus Rußland — woher nicht? Ich sah mir den Juden auf der Schwelle des Ladens, wo die alten Schuhe aller Völker der Erde von ihrer Wanderschaft nach Amerika ausruhen, näher an und er erschien mir gewissermaßen als Symbol. . . ,,Warum handeln Sie eigentlich mit alten Schuhen?" — fragte ich den Juden. „Womit soll ich handeln?"—war die Antwort—..Ich komm' aus dem Osten. Dort war ich Arbeiter. Ich wurde lungenkrank und da hat mich meine Organisation nach Los Angeles geschickt. Arbeiter kann ich nicht mehr sein, das schadet meiner Gesundheit. So handle ich mit alten Schuhen." Die jüdische Ansiedlung im Westen Amerikas beginnt mit der Schwindsucht. (Fortsetzung folgt.) Leib Hirschkron der Trödler im Kaftan aus Lüster nimmt vor dem Gewölb manchen Anzug in Kauf: er hängt die fast neuen auf Rechen ins Düster, läßt schadhafte flicken und bügelt sie auf. Er riecht vor den Kunden zur würzigen Scheibe. Er biete zu wenig, der Hock sei zu klein: so rücken die Leute ihm schwatzhaft zu Leibe. Leib Hirschkron bleibt standhaft und schweigsam wie Stern. Leib Hirschkron ergraut beim Gewerb vor den Schrägen und sieht, wie das Pflaster sich färbt und entblaut; blank schaben die Motten im Hasenfellkragcn in kreisrunden Flecken den Gerbgrund der Haut. Es tragen die feilschenden Leut ihren Jammer nur übel verhohlen zum Trödler herein; er schaut gegens Licht durch den Stoff ihre Kammer . . . Leib Hirschkron muß hart sein und schweigsam wie Stein. Leib Hirschkron hockt grau vorm Gewölb auf der Stiege, schwarz knistert sein Kaftan aus Lüster im Wind; im rauchigen Bernsteinspitz säuselt die Fliege, vor Flickwerk und Westenzeug wimmelt das Spind. Es kommen bisweilen noch Kunden und klagen: er biete zu wenig, der Rock sei zu klein. Und gern möchte Hirschkron nun mancherlei sagen — und kann doch nur hart sein und schweigsam wie Stein. Der The odor Kramer,