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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Lombroso
Date
1932-03-01
Page
Seite 176 (sequence 14)
Language
German
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176 MENORAH ferte, dann frage ich mich, ob wir nicht in zahllosen Dingen noch unter dem Mittelalter stehen." Als Meister des Stils mit einer unbestechlichen Logik geht Lombroso dem Antisemitismus zu Leibe. Aber er ist sich bis zum letzten der Undankbarkeit seines Unterfanges im klaren. „Der Antisemitismus beruht auf einem Wiedererwachen oder Fortleben primitiver Regungen, er hat seine Basis in der niedrigsten und traurigsten menschlicher Leidenschaften, und ich fürchte deshalb, er wird sich >vcnig um das Gutachten der Wissenschaft kümmern, noch stark beeinflußt werden von der zunehmenden Kultur, die wohl auf den Intellekt, aber wenig auf die Leidenschaften wirkt. . Noch auf einem andern Gebiete war Lombroso Bahnbrecher. Die Graphologie war von Laien begründet worden. 1812 hatte der Franzose llocquart eine Lanze für die Graphologie gebrochen in der Schrift ,.Die Kunst aus der Handschrift des Menschen auf seinen Charakter zu schließen". 1875 faßte der Abbe Michon gewisse Erkenntnisse zu einem System zusammen. Während in Deutschland 1895 der Physiologe Preyer und Klages die Graphologie als Wissenschaft begründeten, bekannte sich im selben Jahre Lombroso zu der Bedeutung der Graphologischen Charaklererkundung. Sein Handbuch der Graphologie hat auch in Deutschland Aufsehen erregt und der 1896 gegründeten Deutschen Graphologischen Gesellschaft die Wege geebnet. Das Interesse, das Lombroso der Graphologie zuwandte, brachte ihn wieder einmal in den Verdacht, ein unklarer Spintisierer, ein Chiromant zu sein. Und tatsächlich wandle sich Lombroso noch einem Gebiet zu, das heute noch am wenigsten aufgeklärt und vielfach als bloßer Unfug abgetan wird. Lombroso interessierte sich für den Spiritismus. Ihm war das Problem der Gedankenübertragung aufgefallen. Wie w7ar denn der Hypnotismus zu erklären, welche Vorgänge spielten sich in der Wachsuggestion ab. Gab es hier Zusammenhänge zu ergründen, dunkle Vorgänge zu erklären? In unserer Zeit, w^o wir durch das Radio wissen, daß es feinste Wellen gibt, die unsichtbar überall hin durch den Äther schwingen, rechnen wir mit elektrischen Ausstrahlungen des Körpers und können uns vorstellen, daß die Wirkung unseres Denkens möglich sein könnte. Der alternde Lombroso fand nicht mehr den Schlüssel für die Ergründung der okkulten Phänomene. Er, der ein so großer Skeptiker, ein Rationalist vom reinsten Wasser w<ar, ein Naturwissenschaftler, den nur die materiellen Vorgänge gefesselt hatten, verlor hier zeitweise den festen

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