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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Lombroso
Date
1932-03-01
Page
Seite 171 (sequence 9)
Language
German
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LOMBROSO 171 Maises chemisch auszog, und ihm die Arbeil nicht berechnete. Lombroso war so schlecht bei Kasse, daß er sich diesen Luxus nicht hätte erlauben können. Der Extrakt wurde erneut im Tierexperiment erprobt und erwies sich in seiner Wirkung noch intensiver, noch überzeugender. Lombrosos Auffassung der Krankheils-Aeliologie war also richtig und nun konnte Lombroso einen neuen Vorstoß unternehmen. Nach einer Demonstration seiner künstlich Pellagra krank gemachten Hühner standen in der Diskussion neue Gegner auf und behaupteten, den Tieren sei Slrychnin eingegeben, womöglich hinter dem Rükken Lombrosos. Slrychnin macht nämlich tatsächlich ähnliche Erscheinungen. Die chemische Wissenschaft halle, so argumentierten die Gegner, kein Gift in dem Maisaiiszug gefunden und so könne doch kein unsichtbares, also nicht existierendes Gift so merkwürdige Symptome, die Strychninfolgen seien, auslösen. Lombroso verbiß sich jetzt erst recht in das Pellagraproblem. An allen Orlen, wo Arzte Kongresse hielten oder wo sich Landwirte versammelten, erschien Lombroso. Man sah einen pausbäckigen Herrn mit ziegenbockartigem Kinnbärtchen, einer Stuinpfnase und einer mächtigen "Brille, die dem Gesicht den Ausdruck eines Schulmeisters verlieh, behutsam einem Eisenbahnabteil dritter Klasse entsteigen. Käfige, in denen Mühner untergebracht waren, Kisten mit Eläschchen und den Giftauszügen, waren um ihn herum. Und niemals hätte Herr Dr. Lombroso einen Träger unbeaufsichtigt mit seinen Herrlichkeiten abziehen lassen. Besorgt half er bei dem Transport mit, um mit diesen Kronzeugen irgendwo seine große Theorie vertreten zu können. Es ist bekanntlich vom Erhabenem zum Lächerlichen wirklich nur ein Schritt. Lombroso teilte das Schicksal Semmelweis' nicht, da er länger lebte und auch zäher seine Entdeckung vertrat. Aber seine Popularität hat Lombroso nicht durch diese große naturwissenschaftliche Beobachtung erhallen, die Welt weiß kaum davon, daß der vielseitige Anthropologe und Psychiater auf klinischem Gebiet einen solch bedeutsamen Eund gemacht hat. Selbst in der Geschichte der Medizin ist diese Großtal Lombrosos vielfach, übergangen. In Deutschland wird die Erinnerung an Lombroso in ganz anderen Zusammenhängen wachgehalten. Hier sieht man ihn mehr als C.harakterologen und Strafrechtphilosophen. Man feiert Lombroso als den Schöpfer der Theorie vom geborenen Verbrecher. Seit dem Niedergang der Antike beherrschte die Welt die Anschauung von der Freiheit des Willens. Jeder Mensch hatte damit die Mög-

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