Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Lombroso
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912919-2927981--11241-2928121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LOMHROSO 165 Marzolo blieb ihm ein filier Freund und ihm folgte Lomhroso auch in der Berufswahl. Auf seinen Rat wählte er trotz aller philologischer Bejahung nach Beendigung der Schule das medizinische Studium zu Padua. Marzolo. der Darwin in der italienischen Anthropologie, als den ihn Lomhroso später leierte, übt weiter auf ihn den größten EinflulJ aus. Ihm hat Gcsare Lomhroso sein erstes Werk gewidmet. Marzolos Ideen gehen ihm auch später manche Anregung. Nach dem Studiuni, das ihn auch nach Wien und Pavia führte, macht Gesare Lomhroso freiwillig den Krieg gegen Österreich mit und hlieh auch im Frieden Militärarzt, um die drückenden Geldsorgen los zu werden. Der wirtschaftliche Zusammenbruch des väterlichen Geschäftes hatte ihn längst aller Zuschüsse von zu Hause herauhl. In diesi4 Zeit fallen die ersten größeren wissenschaftlichen Arbeiten u. a. eine eingehende anthropologische Geographie von Italien und eine Studie ..Der weiße und der farbige Mensch", die sich in manchen [Hinkten mit den zur gleichen Zeit erschienenen Thesen Charles Darwins deckt. Seine Werke begründen eine für Italien neue Wissenschaft, die Anthropometrie, die exakte Beobachtung der körperlichen Konstitution des Menschen. Von diesem Interessengebiet ist Lomhroso auch später nie mehr völlig freigekommen, wenn auch seine vielfältigen Studiengebiete ihn zu erfolgreichen Ausflügen in andere Diseiplinen verleiteten. .18.'.!) veröffentlich! der Dreiundzwanzig jährige eine eingehende Studie über den ..Kretinismus'* in einer Zeil, in der ihn psychiatrische Probleme bereits fesseln. Der schablonenhafte "Militärdienst konnte einem so unruhigen Geist auf die Dauer nicht zusagen. Mit dem Wage nml des Optimisten wirft er 1863 Amt und Würde hin und gewinnt mit der teuer erkauften Freiheit die Möglichkeil nach seiner Fasson selig zu werden. Zuerst nuifö er den Lebensunterhall gewinnen durch ungezählte, aber schlecht bezahlte Übersetzungen. Monatelang reicht das ganze Einkommen nur dazu aus. um sich mit Brot. Milch und Kastanien über Wasser zu halten. Trotzdem lieB Lomhroso nicht von den Studien, die ihm keinerlei greifbaren Gewinn brachten. Im Gegenteil, die nächsten Arbeiten machen ihn nur lächerlich. Ks sind anscheinend üble Kehlschläge, die seinen Namen diskreditieren und Irrtümer, für die er d o c h den Kampf mit der Well aufnimmt. Männer, die ihn kannten, bewundern diesen kindlich einfachen und sanften Menschen, der gegen tausend Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten nicht müde wurde, sich zu verteidigen, zu schreiben, zu sprechen, mit neuen Experimenten. Beweisstücken überall aufzutreten und seine Sache allen Widerständen zum Trotz vorwärts zu treiben.