Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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148 MENORAH „Aber nach den Meldungen, die ich erhalten, seid Ihr Juden Palästinas durch die Bank Freunde Frankreichs." „Aber, Exzellenz, wir sind darin bloß Schüler Euerer Exzellenz, denn noch vor kurzem waren Exzellenz Vorsitzender des französischtürkischen Kollegiums, das sich zum Ziel gesetzt, eine Annäherung zwischen Türken und Franzosen herbeizuführen; und wir folgten darin nur dem Beispiel Euerer Exzellenz. Und wenn nun ein Grund besteht, gegen Frankreich Krieg zu führen, weil eine Umorientierung stattgefunden hat und ein neues Programm durchgeführt werden soll, so bitte uns das mitzuteilen, wir werden dann wie bis nun gemeinsame Wege gehen!" „Das Programm? Wir müssen Ägypten erobern, soeben zieht meine Armee gegen den Suez-Kanal." „Exzellenz mögen Ägypten erobern und eine Eisenbahn durch die Wüste bauen, und wir Juden — wir wTerden uns an die Spitze stellen und nach Ägypten zurückkehren!" In diesem scherzenden Tone wurde das Gespräch fortgesetzt, und Antebbi stimmte mit seinen klugen Worten das Herz des Tyrannen um, bis dieser ihm sagte: „Und nun sagen Sie mir als aufrichtiger Türke: Wer und was sind diese Beschuldigten, die ich vorgeladen und die ich nach Angora verbannen will?" „Bei meiner Rechtschafl'enheit als Türke versichere ich, daß diese Menschen dem Vaterlande ungefährlich sind! Manche von ihnen befassen sich mit der jüdischen Siedlung, sind Gründer von Kolonien, Schulleiter und ähnliches. Und wenn manche von ihnen sich irgendwie vergangen haben, so taten sie es nur aus Mangel an richtiger Führung und Belehrung und in Unkenntnis der wahren Ziele des Ottomanischen Reiches. Nichtsdestoweniger sollten diese Leute nicht straflos ausgehen, als Warnung, künftighin nicht mehr auf eigene Faust zu handeln. Und jene, die diese Strafe verdienen würden, sind: ich selbst, Euer Exzellenz ergebenster Antebbi, mein Freund Dizengoli, Yellin, Schlusch, Majerowitsch und vielleicht noch zwei oder drei Leute . . . Aber die überwiegende Majorität der zu Verbannenden sind biedere, unschuldige Menschen. Denn womit sollte sich der eine Geschäftsmann oder der andere Zuckerhändler vergangen haben? . . ." Kurzum: Djenial Pascha gab Beha-al-Din den Auftrag, ihm sofort den Akt der Verbannten zu bringen, der vom Oberbefehlshaber bereits unterzeichnet worden war. Indessen kam Antebbi zu mir, um die Liste der ,,zu Bestrafenden" mit mir zu beraten und kehrte dann zurück. W,i.