Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Der Anteil der Juden an der Goetheforschung
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
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108 MENORAH einer großen Goethe-Ausgabe". Von ganz anderer Arl war die Methode, die Albert Bielsehowsky in seinem epochemachenden mid laute noch stark verbreiteten. Werke ,.Goe- Ihe, sein Loben und seine Werke'1 anwandle. Euter den Goelheforschern finden u ir an hervorragender Stelle Ludwig Geiger. Sein Verdienst um die Goetheforschung ist unheslrillen. Volte 2:* Jahre leitete Geiger das von ihm 1880 begründete ..Goethe-Jahrbuch", das dann als ..Jahrbuch der Goethe- Gesellschaft" fortgeführt, wurde. Geiger hat als Herausgeber von Goelheschen Werken wie als Verfasser zahlreicher Goetheschrillen überaus nützliche Arbeil geleistet. Mit Einsicht und Sachkenntnis besorgte er eine Ausgabe von Goethes Werken in zehn Bänden (1880). Ferner gab .er heraus: Goethes Gespräche mit Eckermann. Briefwechsel zwischen Goethe und Zeller. Goethes Italienische Heise (Jubiläumsausgabe) und Goethes Briefwechsel mit den Brüdern Humboldl. Von seinen Goetheschriften wiiren zu nennen: ..Aus Alt-Weimar". ..Goethe in Frankfurt 1707*'. ..Goethe und die Seinen". ..Goethes Leben und Schallen", und schließlich auch der einleitende Band zu Hesses Goclhc- Ausgabe, Geiger hat wirklich mit ..unbeirrbarer Sorgfalt Steinchen auf Steinchen" gehäuft und damit Vorarbeit geleistet, die heute die Goetheforschung nicht entbehren kann. Eni die Goetheforschung hat sich auch Richard M. Meyer mit seinem Goethebuch verdient gemacht. Pelseh rühmt die ungeheure Belesenheil und die blendende Kombinnlionsgabe Meyers, der an allen schwierigen Punkten Parallelen aus der deutschen oder ausländischen Literatur heranzuziehen verstand. Line Vertiefung der allgemeinen (ioethekenntnis förderte auch Georg Wilkowski mit seiner gediegenen, auf gründlichen Quellen sliulicu aufgebautcn Goethe-Biographie. Als ein Wortführer neuer wissenschaftlicher Richtung auf dem Gebiete der Goetheforschung ist vor allen andern Georg Simmel zu nennen. Simmeis „Goethe" ist keine Biographie, sondern ein psychologischer Versuch, die lebendige Persönlichkeil Goethes von innen zu erfassen. Simmeis Goethebuch handelt von den Werten des Goelheschen Lebens; er versucht, idie Krafterscheinung Goethe, im Spiegel seines Werkes zu betrachten und umgekehrt das Werk durch das Medium seiner Persönlichkeit zu erschließen. Dem Philosophen Simmel würdig zur Seite steht der Literat urforscher Friedrich Gundolf. Seinen ..Goethe" nennt Robert Pelseh das nach Einstellung und Methode eigenartigste, und geschichtlich bedeutsamste Goelhebuch -der Gegenwart. ,,Die liefe und wesentliche Einheitlichkeit, die Goethes Schöpfungen, ja alle seine Äußerungen durchdringt, die dämonische Unerdrinnbarkeit.mil der hier geprägte Form sich lebend enlwikkelt, sie ist nie zuvor mit solcher Kraft und Klarheit herausgearbeitet worden wie bei Gundolf. Sein Werk lud die Literaturwissenschaft auf einen neuen Boden gestellt und eine neue Sonne über ihr aufleuchten lallen, in deren Schein sie sich ganz von neuem über die Zusammenhänge von Geschichte und Leben, Schöpfer und Werk, Dichtung und Sprache, unterrichten muß." Ein Goethcdeuler von eigener Kraft ist Emil Ludwig, dessen ..Goethe, Geschichte eines Menschen" eine lebendige Anschauung von dem deutschen Dichterfürsten vermitteil. Eine Fülle feinster Beobachtungen enthält die Schrift Julius Babs: „Das Lehen Goethes. Eine Botschaft"; eindringlich und besinnlich wird da die Seelengesohichte Goethes dargestellt. Zum Schlüsse; sei hier der Verdienste Alberl Cohns um die Goetheforschung gedacht. Alberl Cohn — geboren 1827 in Berlin und gestorben daselbst im August 1905 — war kein Goetheforscher von Beruf. Er war von Beruf Buchhändler und aus Neigung Bibliophile. Jahrelang hat er von Goethe Erstdrucke, Originalhandschriften und andere literarische Kostbarkeiten gesammelt; der größte Teil dieser Sammlung ist in den Besitz des Goeihe-Schiller-Archivs in Weimar übergegangen. Cohn soll der erste gewesen sein, der bei der Großherzogin Sophie die Gründung einer Goethe-Gesellschaft anregle.