Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Der Anteil der Juden an der Goetheforschung
- Date
- 1932-03-01
- Page
- 107 (sequence 1)
- Language
- German
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DER ANTEIL DER JUDEN AN DER GOETHEFORSCHUNG Von S. Gleichlaufend mit dem Geistesstrom Goethe zieht still und lief ein Nebenfluß einher, der vom Hauptstrom •gespeist wird, von ihm seinen Lauf nimmt und zurück in ihn mündet: die Goetheforschung. Die Goetheliteralu r. die sieh zunächst als Anhang zu des Meisters Werken darstellt, hat sich zu einem gesonderten umd eigenwertigen Fachgebiet entwickelt. Die Goethe-Philologie ist ein weitgedehnter Begriff geworden, ein Begriff, der Wortkennlnis, Litera lurforschung und Lebensbeschreibung umfaßt; alle Fragen biographischer, kritischer, ästhetischer, literahir- und kulturgeschichtlicher Art sind in den Kreis ihrer Erörterungen mit einbezogen. Nirgend in der Literaturwissenschaft ist das Mal.» an Kenntnissen so voll gerüttelt wie in den Schriften, die von Goethe und seinem Werke handeln. Goethe wird da in allen seinen Erscheinungsformen erfaßt und dem Verständnis nahegebracht. Die Lebens- LSi'schichte des Dichters wie die Geisleswelt seiner Dichtung wird in feiner, gelassener Art durchforscht und beleuchtet. Die Goetheforschung ist heute, wenn man will, mehr als eine Wissenschaft, sie ist ein Wissen um vieles, ja ein Wissen um nlles. was mit dem Lehen und dem Lebens-werk des Olympiers zusammenhängt. Sie gewährt Einblicke in die Gedankenwerkslall. des Schaffenden, in die Worlpriigeanstall des Dichters, in die Erlebniswelt fies schöpferischen Geistes. Sie verzeichnet gewissenhaft (Ins Wann. Wie und Wo jeder geistigen und künstlerischen Leistung. Wir sehen, wie der Dichter sehalft, wie er Ereignisse der /eil ins Zeillose übertrügt und aas vorübergehenden Erlebnissen unvergängliche Dichtung gestaltet. Der größle Vorzug der Goetheforschung besieht indessen darin, daß sie immer mehr aus dem e ngen Zunftkreis hinausstrebt; das (ioethe- Sehrifllum bietet heute jedem Gebildeten des Belehrenden die Fülle. Jyleisels Der Anteil der Juden an der Goetheforschung ist groß, un.bestreitbar groß. Die Anzahl ider Juden, die den Weg zu Goethe nicht nur mit schritten, sondern vielfach wegweisend vorausgingen, ist nicht gering. Das isl um so weniger verwunderlich, als doch die Juden bekanntermaßen von jeher für Goethe nicht nur Ehrfurcht und Bewunderung, sondern auch Hingabe und Verständnis in starkem Maße bekundeten. Es dürfte sicherlich kein Zufall sein, daß das Wort ,,goelhereif" von einem Juden geprägt wurde. Auf dem Gebiete der Goetheforschung haben Juden Grundlegendes geleistet und manche neue Quelle erschlossen. In dieser Beziehung sehr aufschlußreich ist ein Aufsalz von Robert Pelsch: ..Wege und Ziele der Goetheforschung", ein litera lurgeschichllicher Beitrag, der die Goethe-Festausgabe des Bibliographischen Instituts einleitet. Durin macht der Verfasser den Versuch, den bisher zurückgelegten Weg der Goetheforschung klar und übersichtlich abzumessen und ihre Zielrichtung zu bestimmen. Pelseh zeichnet die Entwicklung der Goetheforschung nur im Einriß und führt hauptsächlich diejenigen Literarhistoriker und Philologen an. die der Goetheforschung neue Wege und Ziele wiesen. End da zeigt es sich, daß Juden mit unter den ersten waren, die den Grundslein zur modernen Goetheforschung gelegt haben. Wertvolle Bausteine zur Goetheforschung lieferte Michael Bernays. der als der eigentliche Begründer der historisch-philologischen Methode angesprochen werden darf. Bernays veröffentlichte: ..I ber Kritik und Geschichte des Goetbesehen Textes", ..Briefe Goethes an Friedrich August Wolf" und ..Das Leben Goethes" (erschienen in der .Allgemeinen Deutschen Biographie). Sein Hauptwerk ,.Der junge Goethe" wird von allen Fachgelehrten als hervorragende Leistung gepriesen; Pelseh nennt es den ..vielversprechenden Vorläufer