Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912918-2927759--11033-2927885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ZWISCHEN DEN FRONTEN 47 Zeit den Hafen Jaffas passierenden Kriegsschiffen Zeichen und Signale geben könnten. Und so kamen der Kaimakam und der Sladtkommandeur zu dem Resultat, daß die Juden die größten Vorbereitungen zu einein allgemeinen Aufstand treffen und daß sie sogar schon ein Kabinett bereit hätten, das im gegebenen Augenblick die Regierung übernehmen sollte. Dieses Kabinett sollte sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzen: A. Ii u p p i 11 — Minister für Landwirtschaft; M. D i z e 11 g o f f — Innenminister; J. A. Schiusch — Arbeits- und Handelsminister; A. A n t e b b i — Finanzen und S c h o c h a t — Polizei und öffentliche Sicherheit... In der Hauptsache also: Es sollte im gegebenen Augenblick und vielleicht schon in kurzer Zeit ein jiidischzionistisches Reich proklamiert werden! Die Behörden besaßen eine endlose Liste von Menschen, „Hochverrätern", die angeblich Mitglieder der geheimen Organisation waren, und die, jeder in seinem Orte und Ressort, die allgemeine Erhebung im Lande vorbereiteten. Die politische Polizei erhielt den Auftrag, die Organisatoren des Aufslandes auf Schritt und Tritt zu beobachten. Als solche galten die Gemeindevertretungen von Tel-Aviv und der Siedlungen, die Leiter des Gymnasiums und des Erziehungswesens, die Vertreter des Palästinabüros und andere bekannte Politiker, die um jene Zeit wichtige Funktionen in der jüdischen Öffentlichkeit bekleideten. Nun erhielt D j e m a 1 Pascha eine ausführliche Meldung über alles, was innerhalb der Judenschaft in Palästina vorging, und besonders in Tel- A v i v, dem angeblichen Zentrum der Verschwörung. Und selbstverständlich mußte gründliche Ordnung gemacht werden. Jedoch, um all diese Leute dem Militärgericht zu überantworten, hatte man noch nicht Beweise genug in Händen (wie es schien, waren die Deutschen damit nicht einverstanden), und sie an ihren Wohnorten zu belassen — war ja gefährlich. Daher beschloß D jemal Pascha die Verdächtigen zunächst im Verwaltungswege nach irgend einem entlegenen Nest der asiatischen Türkei zu verschicken, bis sich ihre Schuld geklärt haben würde. Und eines schönen Tages wurden 32 Leute, die auf der Liste der Aufrührer standen, zum Armeekommando in Jerusalem vorgeladen. Das war die erste Begegnung der Bevollmächtigten der jüdischen Kolonien in Palästina mit dem ,,großen4' D j e m a 1 Pascha, dessen Händen um jene Zeit das Schicksal der Siedlung und ihrer Einwohner ausgeliefert war. (Fortsetzung folgt.)