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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-01-01
Page
Seite 12 (sequence 10)
Language
German
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12 MENORAH Blume, was tust du?" — schrie der Mann verzweifelt. — „Er ist doch unser Ernährer! Willst du ihn aus dem Hause vertreiben?" ,,Lieber soll er aus dem Haus! Ich esse nichts, was nach Schwein riecht, was durch Entweihung des Sabbat erworben ist, — ich dulde es nicht!" Das Ende vom Lied war. daß der Sohn tatsächlich das Haus verließ und der größte Teil des Unterhalts der Familie fort war. So verlor Frau Blume einen Sohn im Krieg gegen Amerika. Eine erwachsene Tochter ging arbeiten, der Mann verdiente ein wenig durch Hausierhandel und so kam man schlecht und recht ohne den Sohn durch und lebte, wie Gott es geboten. Aber die Tochter verliebte sich in einen ,Litwak'. „Als sie mir den ,Litwak' ins Haus brachte", — erzählt die Mutter weiter — ,,gab es mir sofort einen Stich ins Herz. Aber wir sind in Amerika, — kann ich ihr vorschreiben, mit wem sie gehen soll? ,Liebe Tochter', sage ich ihr, ,du darfst ihn heiraten, aber du mußt eine jüdische Frau bleiben und leben, wie es einer jüdischen Frau vorgeschrieben ist.' Sie antwortet: ,Mutter, Amerika ist eine andere Welt'. Mir wurde es schwarz vor den Augen." Nach der Hochzeit kam die Mutter nachsehen, ob die Tochter ,,die Vorschriften hielt, die eine jüdische Frau beobachten soll" — das war dem Schwiegersohn nicht recht, er verbat sich das „Gucken in fremde Töpfe". Die Tochter wurde ärgerlich: „Mutter, willst du vielleicht, daß ich mich deinetwegen von meinem Mann scheiden lassen soll?" Die Mutter antwortete: „Meinst du etwa, daß du deinem ,Litwak' in allem nachgeben mußt? Am Sabbat muß er frische Suppe haben — anders war er's bei Muttern daheim nicht gewöhnt!?" So kam es zum offenen Zwist, und die Mutter besucht die Tochter nicht mehr: „Ich bringe es nicht über mich — das Herz krampft sich mir zusammen, wenn ich sehe, wie sie leben. Das ist Amerika!" „Wir hatten noch einen Knaben zu Hause, der die ,school4 besuchte, ihm hat sie bittere Stunden bereitet" — jetzt führt der Mann, ein lustiger Warschauer Jude von stattlicher Erscheinung, mit schönem Bart und sympathischen Zügen, die Erzählung weiter. — „Um sechs Uhr morgens mußte er aufstehen, um zu beten, bevor er in die Schule ging. Ehe er nicht gebetet und sich zum Essen gewaschen hatte, bekam er keinen Bissen Brot. Am Sabbat durfte er überhaupt nicht aus dem Hause, sie ließ ihn nicht einmal ein Stückchen blauen Himmel be-

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