Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Die seelische Situation der jüdischen Jugend in Deutschland
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 549 (sequence 5)
- Language
- German
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DIE SEELISCHE SITUATION DER JÜDISCHEN JUGEND 549 Haupüypen jüdischer Jugendlicher gestallet hat. Sie scheiden sich voneinander durch die Art der Benutzung ihrer Freizeit. Da der Beruf heute fast immer zwangsläufig ergriffen wird und den eigentlichen Menschen nur in den seltensten Fällen ausfüllt und befriedigt, erkennt man das Wesen des Jugendlichen an der Beschäftigung, welcher er sich nach der Berufsarbeit widmet. So kommen wir zur Unterscheidung dreier Gruppen. JLlie er s te Gruppe besieht aus den oberflächlichen Naturen, die nach der Arbeit des Tages an seichten Unterhaltungen in Gafehäusern und Vergnügungsstätten minderen Ranges ihr Genüge linden. Diesen Typ hat es natürlich auch in früheren Zeilen gegeben, er ist sogar heule nicht so zahlreich wie vor dem Kriege. Es ist auch nicht bloß Leichtfertigkeit und Genußsucht, wenn diese jungen Mensehen beiderlei Geschlechts fast ausschließlich am Tanzen und leichten Chansons Gefallen linden, sondern in vielen Fällen eine innere Leere, ein Unbefriediglsein, das gewaltsam übertönt werden soll. Im Cafe findet der Jugendliche, der nach der mechanisierten Berufsarbeit zermürbt ist und im El lernhause oder in befreundeten Familien wenig oder gar keine Anregung empfängt, wenigstens den Umgang mit Altersgenossen. Er kann einige Stunden seine traurige Lage vergessen und sich an etwas Humor erfreuen, wenngleich dieser Humor minderwertig und frivol ist. Da bei der Schwere der Zeilen edle Geselligkeit immer sellener wird, um andrerseits zu einem ,.Ausleben" in größerem Stile die Mittel nicht reichen, bleibt nur dieses Narkotikum eines armseligen Glückes, das die innere Verstörtheit und Vereinsamung nur immer für kurze Zeit zu betäuben vermag. Die zweite Gruppe beschäftigt sich nach der Arbeit ausschließlich mit Sport und Technik. Der neueste Fußball-Landerkampf oder die Austragung der Wellmeisterschaft im Boxkampf absorbiert vollkommen das Interesse dieser Jugendlichen. Das Problem der besten Automarke ist ihnen entscheidender, als alle Fragen der Weltanschauung, des Gewissens, der Politik und der sozialen Gemeinschaft. Einige Fragmente des Wissens und der Kunst werden vom Radio bezogen. Hier bedarf es keiner schwierigen Erarbeitung, man wird immer mit etwas Neuem versorgt; und wenn etwa der gebotene Stolf zu schwer ist, stellt man ab und läßt sich wieder von etwas anderem unterhallen. Innerhalb dieses weitverbreiteten Typs gibt es natürlich auch junge Menschen, die selbst gute sportliche Leistungen hervorbringen oder einen gut funktionierenden Mechanismus bauen können. Sie sind die