Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Lesser Ury
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 543 (sequence 2)
- Language
- German
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GEORG HERMANN 543 .starkes Gefühl für das Überwirkliche, Märchenhafte, seine starke träumerische Phantasie. liier, wo er am eigenwilligsten und echLüsten war, wurde er am schlechtesten verstanden und am meisten angegriffen. Zu der Zeil damals, als die ersten dieser Landschaften entstanden, wurden sie als unmöglich verlacht und verspottet. Aber Ery ging unbekümmert seinen Weg, hielt fest an seinen Farben und seinen Träumen, die heute nun anerkannt sind und uns ein wert volles Erbe des Meislers Iiieiben. Auch in der speziell jüdischen Kunst halte Ery etwas zu sagen, denn er hat als einer der ersten modernen Maler das Alle Testament wieder in die bildnerische Darstellung gezogen. Meist sind es einzelne prophetische Gestallen, Moses, Jeremias, die er mit visionärem Palhos auf einer großen Leinwand malle und in die er, dieser nach außen innner rauhe, polternde, von Zweit ein und Mißtrauen oft bedrängte, aber im Grunde nicht gütelose Mensch, seinen Glauben, die immer lebendige Sehnsucht des Künstlers legte. Will Pleß. GEORG HERMANN Zu seinem 6ü. Geburtstag In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts - es war die Zeit, da unter dem Einfluß der jüdischen Renaissancebewegung die Probleme der jüdischen Kunst und anderer jüdischen Kulturwerte diskutiert wurden -— erschien ein Sammelwerk „Jüdische Künstler". Die Monographie über Max Liebemiann, die darin enthalten ist, stammle aus der Feder von Georg Hermann, einem damals noch wenig bekannten Namen, - - Pseudonym für Georg Hermann Borcbardt. Der Essay ist dadurch interessant, daß Hermann eigentlich den spezifischen Berliner Maler Liebermann analysiert, und das in überaus prägnanter, über die Schablone der Kunstkritik — auch wenn sie kulturelle Probleme zu wälzen vorgibt — hinausreichender Art (Georg Hermann ist dann, von gelegentlichen kunstkritischen Aufsätzen abgesehen, erst viel später, im Jahre 192ß, mit einem ebenso interessanten Essay Holland, Rembrandl. Amsterdam" hervorgetreten). Einer alten Berliner jüdischen Familie entstammend, ist Hermann — ebenso wie Liebermaim geistig und seelisch in dieser Stadt verwurzelt, in der er am 7. Oktober 1871 geboren wurde. Und "was seine Analyse der Kunst Liebermanns zum Ausdruck bringt daß stets etwas vom Herzschlag Berlins in den Werken des Malers zu spüren ist -- das solUe sich bald an Hermann selbst erfüllen. Mit seinem ersten größeren Roimtnwerk ..J e l l e h e n G e b e r f wurde Hermann berühmt. Das Buch erschien im Jahre 1 *.)()€>; gerade damals kam bei verschiedenen Schriftstellern jüdischer Abkunft der jüdische ,,Bekeiinliiisrom;m" auf. Hermanns „Jellchen Gebert" liegt weitab von diesem kurzlebigen Genre. Der Human schildert das Berliner jüdische Milieu der Biedermeierzeit. Es steckt viel Romantik darin, jedoch frei von süfjÜchem Scntimcnl, oft sogar bewußt unsentimenlal. Immer wieder ist Landschaft zu spüren, und dus vor allern erhebt den Roman über die in der landläufigen Ghettolitenilur geübte imkünstlerische Methode der „Konservierung jüdischer Altertümer". Etwas wie ein Berliner jüdisches Weltbild formt sich dem Leser des Buches und lebensvoller Alcni weht aus dem Alt-Berliner Judenhause, das Hermann schildert. Darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis dieses (vom Autor später auch dramatisierten) Werkes, das Hermann dann in dem ebenfalls erfolgreichen Roman ,,H e n r i e t l e J a e ob y" forlgesetzt hat. Die Berliner Biedermeierzeit hat Hermanns Schaffen auch weiterhin beeinflußt. Schilderungen „A u s guter alter Z e i t", der Roman ,,H einrieb Schön j u n.", der das herbe Motiv ,,Väter und Sühne" in die gern so sanft gesehenen Zeitläufte des Biedermeier zu stellen versucht, diese und ähnliche Werke .sind aus dem rückgewendeten BLick des Künstlers entstanden. Doch seine schöpferische Kraft, die sich nur am Leben entzündet, wird bald von der unmittelbaren Gegenwart