Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Ahasver in Asien
- Date
- 1931-11-01
- Page
- 539 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bagdad, die Hauptstadt des Irak, in der neunz'ujtaiisend Juden wohnen zwei Steine zu beiden Seiten des Kopfes niedergesetzt. Mitten auf die Brust des Toten aber, dessen Leib mit einem langen Leinentuch bedeckt war, hatte man zur Wegzehrung ein abgebrochenes Stück arabischen Brotes gelegt. Ein armer Jude, in die Falten seines grauen Gewandes gehüllt, kauerte die Wache haltend daneben. Im Winkel des Baumes lag ein zusammengekehrtes Häufchen Schmutz. Rührung ergriff mich vor der Schlichtheit dieses Bildes, und immer wieder blickte ich auf diesen kümmerlichen Bissen Brot, der mir das Sinnbild für allen menschlichen Jammer eines ruhelos umherirrenden Volkes zu sein schien. Zwei Stunden nach Sonnenuntergang begann das Begräbnis. Im Hofe der größten Synagoge von Bagdad stand der Sarg aufgebahrt. Zwanzig greise Juden mit langen Barten sangen mit klagender Stimme einen hebräischen Psalm. In französischer Sprache hielt der Oberrabbiner die Totenrede, ein Jude aus Salonicki; denn das Großrabbinat der Juden reicht über den ganzen vorderen Orient. Hinter ihm standen die Rabbiner und Würdenträger der Stadl, brennende Kerzen in der Hand. Als der Zug sich in Bewegung setzte, folgten ihm die Schulen und die hohe Gemeinschaft der Rabbiner. Der Sarg wurde auf den Schultern jüdischer Bürger gelragen, dahinter schritten die Großrabbiner.