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Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. 534

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Ahasver in Asien
Date
1931-11-01
Page
534 (sequence 1)
Language
German
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AHASVER IN ASIEN Von Armin 1. Wegne r Ich begegnete ihm zum ersten Male im Basar von Teheran. Es war spät am Abend. Ich wollte mir bei einem Schneider ein paar abgerissene Knöpi'e annähen lassen. Aber die meisten Kaut'stände waren schon geschlossen: nur aus einer kleinen Schneiderwerkstatt strahlte noch Licht. Als ich ihm mein Anliegen vortrug, hockte er vor mir nieder, und während er mir vier oder fünf abgerissene Knöpi'e an den Rock nähte, ohne daß ich das Kleid abzulegen brauchte, blickte er mir in die Augen. ,,13ist du ein Jude?" „Nein", erwiderte ich erstaunt über seine Frage, und indem ich auf seine scharfe gebogene Nase sah, unter dem kleinen schwarzen Käppchen, seine geringelten Schläfenlocken und seinen gespaltenen, lockigen Bart, sagte ich: „Du selbst bist ein Jude. Aber wie kommst du darauf?;i Er fuhr lächelnd im Nähen fort: „Würdest du sonst zu einem Juden gehen? In Teheran gehl kein Muhammedancr oder Christ zu einem Juden, um etwas bei ihm arbeiten zu lassen." „Aber wenn ich selbst auch kein Jude bin", erwiderte ich, „so habe ich doch viele Freunde unter ihnen in Deutschland . . . auch meine Frau ist eine Jüdin." Er schüttelte den Kopf, während er zutraulicher wurde. „Bei uns wäre das niemals möglich. Die Feindschaft zwischen den Religionen und Rassen ist zu groß dafür. Ein persischer Derwisch wird keinen Apfel von einem Wagen essen, dessen Rad ein Sunnitc auch nur berührt hat. obwohl doch beide an Muhammed glauben. Wenn ich auf dem Markt bei einem persischen Händler eine Melone anfasse, so wird er vor mir verlangen, daß ich die ganze Menge kaufe, da niemand anders mehr die Früchte von ihm erwerben will. Würde ich selber sehen, wTie mein Kind einem armen muhammedanischen Bettler ein Glas Wasser reicht, so würde ich meinem Kinde das Glas aus der Hand schlagen, obwohl es doch eine mildtätige Handlung vollführt. . . denn Flüche statt Dank würden mir und meinem Kinde durch den Ungläubigen zuteil werden. Nein, daß ein Christ bei uns eine Jüdin heiratet. , . niemals könnte das geschehen." Als er seine Arbeit beendet hatte, wollte ich ihn bezahlen.

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