Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Die Synagoge in Sillein
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 528 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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528 MENORAH umkLammert, und endlich der scharf profilierte Dachrand des Würfels, der das Leitmotiv der Horizontale -weiterführt, abwandelt und temperiert, niemals aber fallen läßt. Denn bis zuletzt ist es dieses breite Lagern, das hier den Anblick und Eindruck der Form bestimmt. Die Kuppel, beschränkt auf die Mitte, überragt ja nur mäßig das Hache Dach. Auch kann sie durch das hügelige Terrain und durch die Engen der verbauten Umgebung nicht voll in Erscheinung treten. Kurzum, sie ist — glücklicherweise — nicht das präpolente „Wahrzeichen" geworden, das die Bauherren wahrscheinlich im Auge hatten. Sondern sie wirkt nun außen — und das ist ihr schönerer Sinn — nur wie ein ruhiges Zeichen jener selbstgcwissen, nach innen gerichteten Sammlung, die auch sonst zum Charakter dieses Gebäudes gehört. Man könnte der Meinung sein, daß der malerische Wechsel der Farben, besonders des dunklen Steins im Mauermantel, des hellen Verputzes am Hauplwürfel und endlich der kupfernen Kuppel, Unruhe erzeugt. Aber dem steht schon die breite, jeweils in großen Massen zusammengehaltene Behandlung der Farben entgegen. Man könnte ferner der Meinung sein, daß die energische Plastik des Äußeren der behaupteten Ruhe Wirkung Schaden brächte, Aber auch das ist ein Irrtum. Denn die Dinge sind hier aufs sauberste architektonisch verkettet, also weder dekororativ noch plastisch fahrlässig behandelt, sondern struktiv geordnet. Man mufö, um das schnell einzusehen, den Grundriß heranziehen. Dann wird man bemerken, daß jene drei farbig verschiedenen Teile — nämlich Sleinmantel. Hauptwürfel und Kuppel — verschiedene, auch innen klar abgesetzte Teile des Aufbaues bedeuten. Die Kuppel ist die gewölbte Decke, der WTirfel ist der Betsaal, der Sleinmantel aber ist jener Umgang, der im Westen das Treppenhaus, im Norden und Süden die beiden Vorhallen und im Osten die Estrade mit den seitwärts anstoßenden Zimmern des Rabbiners und des Kantors enthält. Also gerade das. was beim ersten Anblick willkürlich und kaum versländlich erscheinen mag. bringt die innere Ordnung der Anlage besonders klar zuInge. Und zwar nicht als Bild, sondern als Gestalt. Denn als Gestalt erscheint jener Steinmantel, vom Kernhau abgehoben und auch in sich deutlich abgesetzt, so daß wir ihm entlang schon außen die innere Aufteilung ablesen können, am sprechendsten die mit drei gleichen Türen geöffnete Eingangshalle und in der Mitte der Ostseite die Stelle der heiligen Lade — gegen die Straße vorgreifend, aber auch verschlossen, wie die Rückwand eines mächtigen Schrankcs. Das Innere der Anlage wird von einem Fachbericht etwa folgendermaßen beschrieben: Sowohl im Norden wie im Süden gelangt man